Warum Hunde mental gefordert werden sollten – und 5 Beispiele wie es klappt

Leckerli auf Hundepfote Hund mental fordern

Brauchen Hunde mentale Auslastung? Müssen sie dahingehend gefordert und gefördert werden? Was ist übertrieben und was macht Sinn? Oder reicht es, wenn wir unsere Hunde körperlich auslasten? Sie stammen doch schließlich vom Wolf ab, sind demnach irgendwo auch Raubtiere…

Fragen über Fragen und auch zu diesem Thema muss ich sagen, ein Richtig oder Falsch gibt es nicht. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob und wie er seinen Hund beschäftigt. Ich kann euch an dieser Stelle aber gern Empfehlungen geben und erklären, was sinnvoll ist und weshalb Hunde mental gefordert werden sollten.

Ja, sie sind in gewisser Weise immer noch Raubtiere und ja, Wölfe haben sich gegenseitig auch nicht geistig ausgelastet, Kunststückchen gelernt und mental gefördert. In diesem Punkt gehe ich konform mit den Gegnern der mentalen Forderung bei Hunden. Was wir aber eben nicht außer Acht lassen dürfen ist, dass wir an unsere Hunde als sozialisierte „Wölfe“ sozusagen ganz andere Ansprüche haben als an die Urform, den Wolf. Das Leben der Wölfe besteht aus Schlafen, Futterbeschaffung, Fressen und Fortpflanzen. Was davon trifft nun auf die heutige Form, unseren Hund zu? Schlafen gehört selbstverständlich dazu, fressen auch. Handelt es sich nicht um einen Hund mit dem gezüchtet wird, fällt der Punkt Fortpflanzung schonmal weg, von Futterbeschaffung ganz zu schweigen. Wie wir schon gelernt haben, ist es im Zusammenleben mit Menschen recht kontraproduktiv und auch nicht üblich, dass der Hund sich sein Futter selbst jagt. Er wird dadurch selbstständig und begreift schnell, dass er den Menschen zur Futterbeschaffung nicht braucht. Macht wenig Sinn, wenn wir ihm in der Erziehung begreiflich machen wollen, dass wir sein Lebensmittelpunkt sind und er sich an uns orientieren soll, oder?

Daher macht es durchaus Sinn, wenn wir uns mit unseren Hunden beschäftigen und unseren Hund mental fordern. Natürlich, Hunde schlafen viel. Das ist ganz normal und ihr sollt sie auch nicht dauerbespaßen. In der Regel genügen auch einfache Dinge, um das Köpfchen eures Hundes anzuregen und mit ihm gemeinsam zu lernen. Das ist nämlich durchaus erziehungs- und bindungsfördernd und macht obendrein auch noch Spaß. Teure Spiele oder aufwendiges Training braucht ihr hierfür nicht.

Ich erzähle euch mal, was ich mit Joker the dog so alles anstelle, um sein kleines Cockerköpfchen zu beschäftigen. Und eins kann ich euch sagen: Erfahrungsgemäß ist er danach völlig ausreichend ausgelastet und schläft ausgiebig den Schlaf der Gerechten, hihi…

Hund mental fordern: Durch Lernspaziergänge

Nein, es müssen nicht immer Gewaltmärsche sein, um den Hund auszulasten. Geht ihr selbst gern und viel laufen und wandern, nehmt euren Hund natürlich gern mit. Ist er körperlich gesund, schadet ihm das nicht. Ihr müsst euch aber nicht „zwingen“, täglich mehrere Stunden mit eurem Hund über Stock und Stein zu marschieren, weil ihr denkt, dass er das braucht und glaubt, ihn damit müde zu machen. Natürlich wird er nach einem langen Spaziergang auch k.o. sein, ausgelastet ist er aber nur, wenn dabei sein Köpfchen arbeitet.

Besonders anstrengend ist aus meiner Erfahrung, wenn der Hund sich auf Spaziergängen konzentrieren muss, das heißt, nicht nur schnüffelt, guckt und sein Geschäft erledigt und ansonsten die Umgebung abcheckt. Was anderes ist ein Spaziergang für einen Hund nämlich nicht. Er entspannt sich nicht dabei wie wir, sondern nimmt alle Reize aus der Umwelt auf. Anstrengend wird es nun, wenn wir seine komplette Aufmerksamkeit einfordern. Wie macht man dass? Ganz einfach. Grundlage ist der Blickkontakt, den der Hund freiwillig zu uns aufnehmen sollte. Gelernt wird dies über das bereits in früheren Beiträgen angesprochene Blickkontakttraining und die positive Verknüpfung eines jeden freiwilligen Blickkontaktes unseres Hundes. Das erreichen wir mit Futter.

Nehmt euch gern eine Ration des normalen Futters oder auch etwas von dem ihr wisst, das mag euer Hund ganz besonders gern in einem Futterbeutel mit nach draußen. Beginnt zunächst in einer reizarmeren Umgebung, damit euer Hund weiß, was ihr von ihm wollt und nicht ständig abgelenkt ist. Die Ablenkung als Herausforderung kommt später hinzu. Ihr könnt auch gern eine Schleppleine auf euren Spaziergang mitnehmen, jedoch nicht für den Zweck des großzügigen Auslaufes, wie von vielen praktiziert. Joker und ich haben heute wieder einmal das extrem langsame Laufen bei Fuß trainiert und ich merke jedes Mal, wie sehr ihn das anstrengt, nicht einfach nur locker neben mir herzutraben, sondern Schritt für Schritt ganz langsam und auf mich konzentriert neben mit zu laufen. Funktioniert das so wie ihr euch das vorstellt, vergesst natürlich die Belohnung nicht. So bleibt euer Hund motiviert.

Ihr könnt euren Hund zwischendurch auch an der Schleppleine gesichert ablegen oder setzen lassen und euch soweit die Leine es zulässt entfernen. Signalisiert eurem Hund nun durch Körpersprache, dass er dort bleiben und warten soll und ruft ihn nach einer Weile ebenfalls durch Körpersprache ab. Ihr könnt auch aus der Entfernung den Hund abwechselnd sitzen und sich ablegen lassen. So muss er sich extrem auf euch und eure Körpersprache konzentrieren und ihr merkt auch selbst ganz schnell, ob diese für euren Hund eindeutig ist und funktioniert oder eben nicht. Damit fördert ihr die Aufmerksamkeit eures Hundes, was wie ich finde gerade draußen unter Ablenkung und den Einfluss aller möglichen Reize extrem wichtig ist.

Hund mental fordern: Das Hütchenspiel

Auch das könnt ihr im Grunde immer und überall machen, um euren Hund mental zu fordern. Ich spiele das zum Beispiel sehr gerne mit Joker am See oder im Urlaub am Strand. Nehmt euch 2 Becher und platziert euch mit eurem Hund auf dem Boden. Zeigt ihm ein Futterstück und lasst es ihn aus der Hand fressen. Nehmt nun ein zweites Futterstück und legt es vor den Augen eures Hundes auf den Boden und stellt einen der beiden Becher darüber. Mischt nun gründlich durch wie früher Salvatore. Ihr wisst schon, pronto, pronto, hihi… Lasst jetzt die Nase eures Hundes arbeiten und ihn den richtigen Becher finden. Wichtig ist mir auch hier zu erwähnen, dass ich meinen Hund nach Auflösung also Anheben des Bechers das Futterstück nicht vom Boden fressen lasse bzw. nur nach vorherigem fragenden Blickkontakt. So lernt er gleichzeitig sich zu konzentrieren, seine Nase zu benutzen und mich vorher fragend anzuschauen, bevor er etwas frisst.

Kleine Konzentrationsübungen

Auch das konzentrieren könnt ihr überall trainieren. Schnappt euch zum Beispiel wie wir heute Vormittag eine Decke und ab damit in den Garten. Legt eurem Hund zuerst ein Futterstück, was er besonders lecker findet und dem er normalerweise nicht widerstehen kann, direkt vor ihn auf die Decke und lasst es ihn fressen. Legt nun ein zweites an die Stelle und deckt es mit der Hand ab. Das signalisiert dem Hund, das ist tabu für dich. Nehmt jetzt die Hand wieder weg und überprüft, ob er begriffen hat, was ihr von ihm möchtet: nämlich, dass er das Futterstück nur nach eurer Zustimmung fressen darf. Ganz besonders „gemein“ wird es, wenn ihr den Schwierigkeitsgrad steigert und das Futterstück zum Beispiel auf seine Pfoten legt. Er muss sich jetzt sehr auf euch konzentrieren und darauf, das Leckerchen nicht zu verspeisen. Löst zwischendurch die Situation immer wieder auf und bestätigt euren Hund über ein Futterstück aus eurer Hand. Wichtig: Nicht vom Boden fressen lassen! Damit trainiert ihr auch hier nebenbei wieder sinnvoll, dass ohne Rückfrage an euch durch Blickkontakt nichts vom Boden gefressen wird. Ihr wisst schon, Thema Giftköder…

 

Deckentraining für Hunde

Deckentraining für Hunde

Ja, ich erwähne es an dieser Stelle wieder, da das Deckentraining dafür sorgt, dass eurem Hund ein Platz zur Entspannung geboten wird, den IHR bestimmt und ihm durch positive Verknüpfung mit Futter schmackhaft gemacht wird. Erklärt wie es funktioniert habe ich bereits in vorherigen Beiträgen. Wichtig ist auch hier, dass ihr die Situation zwischendurch immer mal wieder auflöst und den Hund aktiv von seiner Decke herunter holt. So bleibt er motiviert, verliert nicht die Lust und wird seinen Platz gern zum Entspannen aufsuchen.

Beendet dieses Training wie alle anderen auch mit einem für den Hund positiven Erlebnis. Das heißt, hört nicht auf, wenn er sich gerade wieder von der Decke herunter gerobbt hat, sondern wenn er wie ihr das möchtet komplett darauf liegt. Ruft ihn dann zu euch und belohnt ihn. So schließt er mit einem positiven Erlebnis die Trainingseinheit ab.

Hunde mental fordern: Kunststückchen und Dog Dancing

Ob High Five, Pfötchen geben, Rolle, Peng oder das Tanzen mit dem Hund. Alles was der Hund gerne und freiwillig tut ist erlaubt. Er sollte niemals zu etwas gezwungen oder körperlich beispielsweise heruntergedrückt werden. Zeigt er das gewünschte Verhalten, verknüpft dies mit einem körpersprachlichen Zeichen und motiviert ihn gleichzeitig mit Futter. So verknüpft er, was ihr von ihm wollt. Denkt hier bitte daran, dass die Belohnung immer auf die zuletzt gezeigte Aktion erfolgt. Gibt er zum Beispiel die Pfote freiwillig, belohnt ihn während er das tut und nicht, wenn die Pfote wieder den Boden berührt hat.

Ich hoffe, ich konnte euch ein paar Anregungen geben, wie ihr euch sinnvoll mit eurem Hund beschäftigen und ihn zudem noch mental fordern könnt. Wie gesagt, es kommt nicht auf die Dauer des Trainings an, sondern auf die Intensität und diese ist bei Kopfarbeit sehr hoch. Kurze Trainingseinheiten sind daher sinnvoller als das Pauken über einen längeren Zeitraum. Irgendwann kann auch der Hundekopf nichts mehr aufnehmen und die Erfolgserlebnisse bleiben aus. Haltet das mentale Training daher eher kurz. Mehrmals 10 Minuten bringen mehr als 1 Stunde am Stück.

Liebe Grüße, Woof Woof und bis zum nächsten Mal!
Sandra und Joker

Über Sandra

Hallo, ich heiße Sandra und lebe gemeinsam mit meinem Mann und meinem Hund Joker in einer kleinen, aber feinen Wohnung im schönen Sachsen. Die Begeisterung für die Themen Wohnen und Einrichten begleitet mich schon seit mehreren Jahren. Vor allem liebe ich den cleanen nordischen Wohnstil mit viel Weiß, Grau, Schwarz und ab und zu einem Klecks Farbe. Im April 2014 wurde die Idee zu meinem Blog HUNDerterlei geboren, der all meine Leidenschaften vereint: Kreativität, gutes Essen, Wohnen und Einrichten – und natürlich Hunde!

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2 Kommentare

  • Yvonne sagt:

    Hallo Sandra, vielen Dank für Deine Beiträge, die ich gerade fand und sehr hilfreich finde.
    Zwei Anmerkungen habe ich: „hihi“zwischendrin muss nicht sein, finde ich jedenfalls. Du schreibst sehr kompetent und verständlich – da nimmt das hihi viel wieder weg. Schade drum.
    Und(vielleicht läßt sich das ja noch in den Beiträgen einfügen) die Zeitkomponente bleibt unerwähnt. Technik des Aufbaus beschreibst Du, jedoch die Steigerung des Abstands zum Hund/ der Zeitspanne, die er liegen bleiben soll zB. und das zurück auf „das hat bereits geklappt“ und das wiederholen wir jetzt noch 3x fehlt. Oder hab ich jetzt grade die Beiträge erwischt, wo nix dazu steht? Das könnte natürlich sein. 🙂 <- dies ist kein "hihi", sondern nur ein charmantes Lächeln.
    Ich freue mich auf mehr von Dir und Deiner Fellnase und grüße herzlich,
    Yvonne

  • Katja sagt:

    Hallo Sandra,
    vielen Dank für Deinen Blog und vor allem Deine Beiträge zum Thema Hundeerziehung. Bei unserem 7 Monate alten Merlin, der seit sechs Wochen bei uns lebt und aus dem Tierschutz kommt, gibt es noch viel zu tun. Ich denke, um alles weitere gut aufbauen zu können, werde ich noch intensiver am Blickkontakt mit ihm arbeiten. Beim Füttern klappt das schon super, aber auf dem Hof oder beim Spazieren-Ziehen eher nicht. Das Problem bei ihm ist auch, dass er von Anfang an Angst vor der Leine – egal ob mit Halsband oder Geschirr – hatte, außerdem das Autofahren nicht mag und wir somit nicht so oft mit ihm Gassi gehen, um ihn nicht zu stressen. Wir hören da ziemlich auf sein Verhalten.
    Aber er wurde schnell stubenrein, macht Sitz, Platz und Pfötchen und liebt Futter. Da kann man gut ansetzen…
    Liebe Grüße,
    Katja und Merlin

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