Herrchen und Hund: Was sagt der Hund über den Besitzer aus?

Hund und Herrchen Ähnlichkeit

Wie das Herrchen so der Hund oder auch „Wie der Herr, so’s Gescherr“

Es ist 9:30 Uhr an einem Sonntagmorgen im August. Die Sonne scheint vom beinahe wolkenlosen Himmel. Die Vöglein zwitschern und ich sitze auf Balkonien mit dem ersten Kaffee des Tages. Seit zwei Stunden bin ich knallwach. Ob´s an der Hitze liegt, die mich schon so früh am Morgen geweckt hat und nicht mehr schlafen lässt oder die Tatsache, dass ich seit Beginn meines neuen Jobs immer früh aufstehen muss und seitdem an seniler Bettflucht leide… Wir wissen es nicht. Ich habe mich bereits restauriert, war Brötchen holen und die erste Ladung Wäsche schwimmt auch schon fröhlich in der Maschine hin und her. Die Männer schlafen noch tief und fest. Einer grunzt lauter als der andere. Ein Sonntag wie eigentlich jeder andere. Okay, außer, dass das Wetter heute dem Sonntag mal alle Ehre macht. Was das alles mit der Überschrift und heutigen Thematik zu tun hat? Ganz einfach: Mein Hund kommt nicht nach mir.

Oder vielleicht doch? Hmmmm, mal überlegen. Gut, er ist Langschläfer, ich Frühaufsteher. Es wird aber ja gesagt, dass sich Herrchen (oder Frauchen) und Hund im Laufe der Zeit immer mehr ähneln. Sowohl optisch als auch charakterlich. Joker ist überaus attraktiv wie ich finde. Andere Hundefrauen meinen das im Übrigen auch. Und er ist unfassbar schlau und begreift sehr schnell. Das könnte hingegen schon wieder ein Indiz für eine verwandtschaftliche Verbindung sein, hihi… Nein im Ernst. Kennt ihr das? Man lernt jemanden kennen, den man richtig gut findet. Achtet mal drauf. Der Traum eurer schlaflosen Nächte streicht sich durchs Haar, ihr streicht euch durchs Haar. Er oder sie schlägt die Beine übereinander, ihr macht das gleiche. Euer Gegenüber lacht, ihr spontan auch. Auch zu beachten beim Griff zum Glas, der Zigarrette usw. Spiegeln nennt man das. Menschen tun das, um Nähe, Sympathie und Gleichheit zu signalisieren. Zumeist geschieht das völlig unbewusst. Irgendwann fällt’s uns auf und wir müssen zwangsläufig lächeln.

Hund und Herrchen: Hunde spiegeln ihre Besitzer oftmals

Liegt ihr auf der Couch, suchen sie eure Nähe und legen sich dazu. Merken sie, dass ihr entspannt seid, entspannen sie sich auch. Daher ist es in der Ausbildung und Erziehung und ja, eigentlich im täglichen Umgang mit euren Hunden so wichtig, ruhig und souverän zu bleiben und Sicherheit auszustrahlen. Eben, dass sich euer Hund an euch orientieren kann. Der Unterschied zum Menschen besteht nur darin, dass der Hund über sein Verhalten nicht nachdenkt. Das kann er nämlich emotional nicht steuern, auch wenn wir es ihm zu gerne zugestehen würden. Er reagiert nur völlig artgerecht.

Widmen wir uns nun mal verschiedenen Mensch-Hund-Konstellationen, mit denen ich es in meiner Arbeit häufig zu tun habe.

Hund und Herrchen

Die Ähnlichkeiten von Hund und Herrchen

Angsthase meets Angsthäschen

In vielen Fällen ist es nämlich so, und das wollen die wenigsten Menschen und auch Kunden hören, dass sich der Mensch dem Hund anpasst und immer ähnlicher wird. Hat sein Hund Angst, geht dieser Mensch automatisch in dieselbe Position. Die Körpersprache wird zögerlich und schwammig und er wird unsicher, anstatt seinem Hund gegenüber zu signalisieren, hey, ich klär das schon, du musst nichts machen und kannst Dich auf mich verlassen. Besonders unsinnig ist in durchaus machbaren Situationen das Hochnehmen des Hundes. Damit wird signalisiert: Obacht, was ganz Schlimmes passiert jetzt. Der Hund verknüpft das mit nachfolgenden Situationen und schwupps ist es da, das Problem. Bei vielen meiner Kunden konnte ich regelrechte Schweißausbrüche beobachten, wenn uns auf Trainingsspaziergängen andere Hunde, die Todfeinde, begegnen. „Die hassen sich, kommen null miteinander aus, wir müssen umdrehen! Bitteeee!!“ Wir drehten nicht um, stapften stattdessen munter weiter. Was jetzt zu beobachten war? Die Leine wurde straffer gehalten und ums Handgelenk gewickelt. Die Schritte verlangsamten sich, wurden zögerlich, der Hund war mittlerweile genauso angespannt, legte sich in die Leine und zu allem Überfluss wurde dann der Hund noch vollgequasselt. Anstatt sich sicher an die Seite seines Hundes zu stellen und ihn zu motivieren, neben dem Menschen, dem er vertrauen kann, an dem nahenden „Elend“ vorbei zu gehen. Solche Hunde werden dann aus ihrer Panik und Unsicherheit oft zu Kläffern und Angstbeißern, die das unsichere Etwas an der Leine hinter sich, sprich Herrchen oder Frauchen, und natürlich sich selbst lautstark gegen Reviereindringlinge und vermeintliche Gefahren verteidigen „müssen“. Macht ja sonst keiner. Und bevor es am Abend nichts zu futtern gibt, weil der Futterautomat, sprich das Herrchen, vom fremden Reviereindringling gefressen wurde. Lieber vorbeugen, als das Nachsehen haben…

Choleriker unter sich

Bekannte meiner Eltern sind wieder ein anderer Fall. Er, leicht cholerisch und „Ich-mach-alles-richtig-und-mein-Hund-ist-eh-der-Beste“-veranlagt, regt sich jedes Mal auf wie Rumpelstilzchen und stürzt schimpfend am Zaun lang, wenn Motorräder oder Autos laut an seinem Haus vorbeifahren. Er wohnt eben an der Hauptstraße, da kann das schon mal vorkommen. Und wer stürzt mindestens genauso aufgeregt hinter Herrchen her? Genau. Der Hund. Mensch schimpft und Hund bellt mit, völlig klar. Zumindest für den Hund. Herrchen findet das cool, sein Hund ist wie er, der King, Klasse! Suboptimal wird´s, wenn die Familie am Sonntagnachmittag gemütlich im Garten Käffchen trinkt und Torte isst, Herrchen ins Gespräch mit Frauchen vertieft ist und die dezent laute Harley mal nicht mitbekommt, die sich dem Grundstück nähert. Wuffi hat´s natürlich längst gerafft, stürzt los, reißt dabei den Kaffeetisch um, auf dem die Erdbeertorte dann auch mal lag… Uiuiui. Das Geschrei ist groß, Hundchen wird angeschrien und bekommt eine hinten drauf. Frauchen hat sich doch so Mühe gegeben und mit Liebe gebacken und jetzt liegt die Torte im Dreck. Nur wegen ihm. Und wieder mal ist der Hund der Doofe. Dabei hat er nur gemacht, was Herrchen ihn gelehrt und vorgelebt hat. Das ist beinahe wie bei „ Mein Hund bellt immer, wenn´s klingelt!“ Ja, irgendjemand (…) hat es ihm ja auch beigebracht… Die Krönung war mal auf einem Spaziergang eine Frau mit einem West Highland White Terrier die meinte, ihr Hund mag keine schwarzen Hunde. Sie übrigens auch nicht. Aha. Wahrscheinlich mag sie auch keine dunkelhaarigen Frauen, so wie sich mich angeguckt hat. Wir müssten dringend weiter gehen, bevor was passiert. Mein Hund stand da und hat mich angeguckt wie eine Torte, während unser Gegenüber gekeift und gekläfft hat. Frauchen und Hund. Das war ein Moment, in dem ich nur gesagt habe: „Ja klar, wie der Herr, so’s Geschirr“ und bin weitergegangen. Nicht, dass die uns noch angefallen hätten, hihi.. Klar, wenn man´s dem Hund beibringt und ihn machen lässt, anstatt die Führung zu übernehmen, dann wird er auch machen.

Genießertypen

Ja, ich esse gern. Mir schmeckt´s gut und ich weiß, meinem Hund auch. Kennt ihr Menschen, die aussehen wie ihr übergewichtiger Hund? Herzlich, sympathisch, aber doch bisschen an ihrer figürlichen Grenze? Der Mensch hat es, wenn er nicht krank ist und die Gewichtszunahme darin begründet liegt, völlig selbst in der Hand, was und wie viel er wann zu sich nimmt. Der Hund nicht, es sei denn, sein Futter steht ihm ständig zur freien Verfügung und Frauchen stürzt beim ersten hungrigen Blick von Wuffi sofort in die Küche und schmiert ein Leberwurstbrötchen. Soll heißen, der Hund wird ernährt und der Mensch hat die Verantwortung, dass sein Hund nach bestem Wissen und Gewissen gefüttert und mit Nährstoffen versorgt wird. Und hierbei ist es auch wichtig, dass es Frauchen auffällt, wenn er kaum noch hinterher kommt, schnauft, sich die kurzen Beinchen unterm viel zu hohen Gewicht schon gefährlich biegen und der Bauch fast auf der Erde schleift. Er kann sich nicht wehren und gegen Futter würde er das auch nie tun. Er ist ja nicht doof und nimmt, was er bekommen kann. Was er hat, hat er. Kann ja sein, morgen gibt´s nichts mehr. Ich habe ja pharmazeutisch-technische Assistentin gelernt und während meiner Zeit in der Apotheke gab´s auch jeden Abend was Lustiges: Frau – ich nenn sie mal – Viehweg. Jeden Abend kurz vor 18 Uhr kam sie mit ihrem kleinen dicken Hund Lucy zu uns zum Wiegen. Erst sie, dann der Hund. Im Winter sahen wir sie immer schon beim Verlassen des Hauses. Der Hund hat nämlich im Dunklen durch sein Sicherheitshalsband aus großen roten Herzen geblinkt und wir lagen immer schon am Boden vor Lachen. Die beiden haben jedes Mal eine Weile gebraucht, bis sie schnaufend wie eine Dampflok und strahlend wie ein Kernkraftwerk zur Tür hereinkamen. 17:59 Uhr. Wir schlossen 18 Uhr. Sie wusste das. Dann ging´s los. „Na, was wiegt die Lucy denn?“ Erstmal drauf mit Klopsi und abgelesen… Huiiii, 13 kg… Ich muss dazu sagen, Lucy war wirklich kein großer Hund, etwas größer als Mopsgröße vielleicht. Aber Frau Viehweg hatte DIE Begründung: „Das liegt an der Leine, die ist so schwer.“ Ah ja. Und uns schmeckt´s eben. Punkt.

Die Stylishen

Modische Föhnfrisur und Bling-Bling am Hals. Das Strass-Ornament auf dem Oberteil von Frauchen strahlt vor lauter Strass genauso schön wie das auf dem Pulli vom Hündchen. Warum? Weil sie es können. Gut, die Geschmäcker sind unterschiedlich und viele Leute finden das lächerlich. Dass es dem Hund völlig wurscht ist, wie sein Halsband und seine Leine aussehen und ob er einen Pulli angezogen bekommt, ich denke und hoffe, das wissen wir alle. Aber mal ehrlich, sie tun damit ja auch keinem weh. Wenn es Frauchen glücklich macht, warum nicht… Solange mit dem Hund beim Hundefriseur und darüber hinaus gut umgegangen und auf seine Bedürfnisse geachtet und eingegangen sowie die Erziehung nicht vernachlässigt wird, ist doch alles in Butter. Joker hat übrigens auch ein eigenes Klamottenfach, bestückt mit 2 langbeinigen, wasserabweisenden Regenjacken und einer dicken Winterjacke. Wieso? Ganz einfach. Weil mein Hund recht dickes Haar hat, das Fell an den Beinen und am Bauch bei Regen so richtig schön klatschnass und siffig wird und ich weder die Zeit noch die Lust habe, bei Regenwetter ständig den Hund trocken zu rubbeln und zu föhnen und die Wohnung mehrmals täglich grundzureinigen. Im Winter bei Minusgraden bekommt er seine Winterjacke angezogen, um die empfindlichen Nieren am Rücken zu schützen. Die Leute lachen oft drüber. Aber mal im ernst, sie bezahlen mir weder die Tierarztrechnung bei Nieren- oder Blasenentzündung, noch putzen sie mir die Wohnung…

Sooo, ich habe es mit Sicherheit nicht geschafft, alle Mensch-Hund-Typen zu erwähnen und euch fallen bestimmt noch eine ganze Menge mehr ein. Lasst es mich gern wissen, wenn ihr eine ganz bestimmte Spezies noch gesondert beleuchtet haben möchtet. Ich versuche gern, darauf einzugehen.

Wir freuen uns schon aufs nächste Mal!

Liebste Grüße und Woof Woof!

Sandra und Joker

Über Sandra

Hallo, ich heiße Sandra und lebe gemeinsam mit meinem Mann und meinem Hund Joker in einer kleinen, aber feinen Wohnung im schönen Sachsen. Die Begeisterung für die Themen Wohnen und Einrichten begleitet mich schon seit mehreren Jahren. Vor allem liebe ich den cleanen nordischen Wohnstil mit viel Weiß, Grau, Schwarz und ab und zu einem Klecks Farbe. Im April 2014 wurde die Idee zu meinem Blog HUNDerterlei geboren, der all meine Leidenschaften vereint: Kreativität, gutes Essen, Wohnen und Einrichten – und natürlich Hunde!

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2 Kommentare

  • Philipp E. sagt:

    Hallo,

    Ich kann das nur bestätigen.

    Bei mir wurde im Alter von 30J ADHS festgestellt. Ich bin ein Mensch, der immer Hummeln im A…. hat. Jetzt habe ich vor ca 1,5J mir einen Hund aus dem russischen Tierschutz geholt….. und was soll ich sagen….. es passt.

    Wie beschreibe ich meinen Hund? Hmmmm….. fangen wir mal mit den Eckdaten an: Border Collie-(vermutlich)Husky-Mix (Genau… uiuiui)! Etwa Schäferhundgröße – 25kg. Uuuuuuuuunnnnnndddddd er hat Sprungfedern gefressen. Trotz ausgedehnter Spaziergänge und regelmäßigem Hundetraining (Obedience) ist er ein Wirbelwind. Allerdings ist er noch keine 3J. Aber Dank der tollsten Hundetrainerin haben wir aber auch schon vieles hinbekommen.

    Ach ja, mein russischer ADHS-Wauzi <3

  • Nicole sagt:

    Ich habe eine wilde spanische Hummel, inzwischen 14 oder 15 Jahre alt und ehemaliger Straßenhund in Spanien, eine sehr ängstliche Hündin aus Rumänien und eine junge, total gechillte Hündin aus Rumänien, die nach einem Autounfall dort eine Nervenlähmung an der Vorderpfote hat – WAS sagt DAS über mich aus? Nichts – außer, das ich Problemfälle nehme.

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