Wie ich meinem Hund beibringe, wo sein Platz ist

Hund beibringen wo sein Platz ist

Ein neues Familienmitglied ist da. Klein und süß und wuselig. Oder eben schon groß, je nachdem ob ihr euch für einen Welpen oder einen bereits erwachsenen Hund entschieden habt. Die Autofahrt habt ihr hinter euch und ihr steht vor der Haustür. Was würdet ihr jetzt machen?

Ich sag euch mal, was so ziemlich jeder meiner Kunden gemacht hat: Tür aufgeschlossen, Leine abgemacht und unter „Guck mal, das ist dein neues Zuhauuuuse!“ und anderer akustischer Dauerberieselung in den höchsten Tönen den Hund auf sein neues Heim losgelassen. Könnt ihr euch jetzt in etwa vorstellen, wie der Hund sich dabei gefühlt hat? Wenn ihr die vorherigen Texte von mir verfolgt habt, bestimmt: Überfordert ist er. Egal, ob klein oder groß. Wollt ihr, dass der Hund sich an euch orientiert, auf euch zurückgreift, wenn’s mal brenzlig wird? Oder soll er selbst entscheiden, was für ihn richtig ist? …ohne auf euch zu achten? Soll er seine – und ich schreibe jetzt mit Absicht SEINE – Wohnung selbst erkunden und sich frei jeden Platz aneignen, wo er liegen möchte? Oder möchtet ihr das bestimmen und euch nicht in ein paar Wochen darüber ärgern, dass der Hund das Couchkommando übernommen hat? Dann müsst ihr ihm genau das von Beginn an klar machen und zwar so, dass er es versteht. Ganz deutlich, gewaltfrei, nur mit Körpersprache und mit positiver Bestärkung.

Wie das geht, erzähle ich euch jetzt.

Schritt 1: Das erste Betreten der Wohnung

Ihr steht also immer noch mit dem Hund vor der Haustür. Öffnet die Tür und geht gemeinsam mit dem Hund an der Leine hinein. Zeigt ihm jetzt die Wohnung, seinen Schlafplatz und wo es Futter und Wasser für ihn gibt. Überlegt euch vorher schon genau, ob es Räume geben soll, in die der Hund nicht hinein darf. Das ist völlig okay, ihr bestimmt die Regeln. Darf er nicht ins Bad, dann ist an der Schwelle zum Bad die Grenze. Im Übrigen ist es völlig in Ordnung, dass der Hund mit ins Bett oder auf die Couch darf, wenn er die Regeln kennt. Die können zum Beispiel so aussehen, dass er nur mit euch zusammen auf die Couch darf – und auch nur auf Einladung nach einem vorher nachfragenden Blickkontakt von ihm mit euch. Daher trainiere ich mit meinen Kunden auch immer zuerst den Blickkontakt und bestätige jedes freiwillige Anschauen. Würde ich ihn die ganze Zeit vollquasseln, nehme ich ihm die Chance auf eine freiwillige Kontaktaufnahme schon im Ansatz. Lasse ich die Sprache weg, lenke nicht ab und besteche auch nicht, gebe ich dem Hund die Gelegenheit, mich von sich aus anzusehen. Dafür wird er belohnt und somit kann ich darauf mein Training prima aufbauen.

Schritt 2: Die ersten Tage mit dem neuen Hund

Die folgenden Tage solltet ihr euch möglichst zusammenhängende freie Tage eingeplant oder Urlaub genommen haben. Die erste Zeit im neuen Zuhause ist nämlich die wichtigste. Jetzt werden die Regeln festgelegt, eine Beziehung aufgebaut und Vertrauen gewonnen. Viele Neuhundebesitzer fragen, wann sie mit der Erziehung anfangen können. Da sind meist schon Tage, wenn nicht Wochen vergangen und mittlerweile hat sich auch bereits das ein oder andere Problemchen eingeschlichen. Weil man dem Kleinen aber auch nichts abschlagen kann. Die sind ja auch zu süß! Hach. Ja klar sind sie das! Sie sind klein und tapsig und die Knopfaugen, das Babygesicht und der tapsige Gang und das tollpatschige Umfallen zwischendurch sind auch zu zauberhaft. Und macht uns nachgiebig und schwach. Und genau das ist der Fehler. Wir lassen jetzt Dinge zu, die wir später beim erwachsenen Hund absolut nicht mehr akzeptieren. Aber woher soll der Hund das wissen? Im Welpenalter war´s erlaubt – und ist er groß, wird er dafür ausgeschimpft. Vielleicht gibt´s auch mal ’nen Klaps. Der Hund macht nichts anders als früher und wird jetzt bestraft. Völlig unklar für ihn. Das stärkt auch nicht gerade das Vertrauen in den Besitzer, oder? Er ist verwirrt, weil es nie klare Regeln gab.

Dem Hund einen Platz zuweisen

Dem Hund einen festen Platz zuweisen

Dem könnt ihr vorbeugen, indem ihr zum Beispiel eurem Hund einen festen, nur für ihn vorgesehenen Platz zuweist. Tut dies bitte gleich in eurem ersten Rundgang mit ihm am Tag des Einzugs. Für seinen Platz sollte ein ruhiger, nicht zugiger und auch nicht zu warmer Platz in der Wohnung gewählt werden. Der Platz sollte nicht an einem, wie es gerne heißt, „strategisch wichtigen Ort“ sein. Das bedeutet: nicht direkt neben Türen, nicht mit Blick auf die Tür oder gar im Flur. Hier bekommt der Hund ständig mit, wer heimkommt oder gerade geht. Dabei kann er nicht entspannen und das muss ihn auch nicht interessieren. Das ist eure Aufgabe. Er muss euch nicht kontrollieren. Ihr kontrolliert und entscheidet, wer kommt und geht. Wenn ihr die Wohnung verlasst, ist das okay, weil er weiß, ihr kommt wieder. Über das Thema „Alleinbleiben üben“ schreibe ich aber gesondert nochmal. Der Grundstein dazu wird jedoch schon hier gelegt. Indem ihr für euren Hund definiert, dass DAS sein Platz ist. Da kann er sich zurückziehen und entspannen. Auch wenn ihr nicht zu Hause seid. Wichtig ist, dass euer Hund auf seinem Platz wirklich in Ruhe gelassen und nicht gestört wird.

Das Bleiben auf dem Platz trainieren

Trainiert ihr das Bleiben auf seinem Platz, positioniert bitte den Wassernapf neben diesem. Hat er Durst, kann er trinken ohne aufstehen und somit das Training unterbrechen zu müssen. Ich empfehle, bei diesem Training eine leichte Heimleine zu benutzen, um ihn beispielsweise nicht mit den Händen wieder reinschieben zu müssen und ihm hierbei vielleicht weh zu tun. Setzt eure Hände bei eurem Hund bitte ausschließlich positiv ein, zum Beispiel durch Füttern oder Streicheln. Man mag nicht glauben, wie viele Hunde bei Handbewegungen zusammenzucken! An der Leine könnt ihr ihn kontrolliert und ruhig wieder auf seinen Platz bringen, wenn er sich runter gerobbt haben oder aufgestanden sein sollte, ohne dass ihr ihm die Erlaubnis dazu gegeben habt.

Ihr führt nun also euren Hund an der Leine auf seinen Platz bzw. in sein Bett. Wartet kurz. Bleibt er dort und legt sich vielleicht sogar schon hin, legt ihm ein kleines Stückchen Futter zwischen die Pfötchen direkt aufs Bett. Vermeidet bei diesem Training ausnahmsweise das Füttern aus der Hand. Hierbei könnte er eurer Hand folgen, was wiederum zur Folge hat, dass er aufsteht und seinen Platz verlässt. Das vermeidet ihr, indem ihr das Futterstück direkt auf der Decke oder im Bett positioniert. Der Hund verknüpft nun das Futter mit der Decke. Geht nun einen kleinen Schritt zurück und wartet. Bleibt er liegen, geht wieder auf ihn zu und bestätigt ihn dafür mit einem Futterstückchen zwischen seinen Pfötchen und wiederholt das Ganze. Vergrößert dabei sowohl die räumlichen als auch die zeitlichen Abstände langsam. Steht er auf und verlässt seinen Platz, bringt ihn zurück und verringert den Abstand wieder. Dann war´s in dem Moment zu schnell und zu viel für euren Hund. Dann geht ihr einfach wieder eine Stufe zurück und beginnt von Neuem. Bleibt ruhig und bestimmt. Trainiert aber bitte nicht zu lange am Stück. Gerade für Welpen ist alles noch sehr anstrengend und sie schlafen tagsüber viel. Haltet die Trainingseinheiten kurz, aber strukturiert und konsequent – und ihr werdet schnell Ergebnisse sehen. Löst auch das Training zwischendurch mal auf und holt den Hund von der Decke runter, damit er die Lust nicht verliert und die Decke kein „Muss“ wird. Nur so wird er sie gerne und freiwillig aufsuchen.

Hund im Bett

Jokers Bett steht übrigens bei uns im Arbeitszimmer neben dem Schreibtisch und wandert am Abend zur Schlafenszeit mit ins Schlafzimmer. Hier steht es auch etwas geschützt und ohne Sicht auf die Tür. So kann er gut durchschlafen ohne aufpassen zu müssen, ob jemand kommt. Er darf übrigens auch mit ins Bett und auf die Couch. Auf Einladung und nur mit uns zusammen, wie vorhin schon beschrieben. Das muss aber wirklich jeder für sich entscheiden und ist reinweg eine Frage der Hygiene. Ich lege sehr viel Wert auf einen gepflegten Joker und er hat auch nicht den typischen Hundegeruch, den man so kennt. Daher stört uns das nicht. Im Gegenteil: Joker kuschelt auch sehr gerne.

hundetraining-platz

Wie ihr bemerkt habt, arbeite ich im Training mit Futter. Nicht mit Leckerchen, sondern dem normalen Futter des Hundes. Ihr könnt euch vielleicht an den Futterbeutel erinnern, den ich bei Zusammenstellung der Erstausstattung empfohlen habe. Dieser kommt hier beim Deckentraining bereits zum Einsatz. Ihr könnt super einen Teil seines Futters in den Beutel füllen und für Trainingseinheiten wie diese nutzen. Ich weiß, zum Einsatz von Futter während des Trainings scheiden sich die Geister. Ich bin sowohl privat als auch beruflich davon überzeugt und die Erfahrung zeigt einfach, dass der Hund mit einer positiven Bestärkung in Form von Futter wesentlich ruhiger und schneller lernt als mit Unruhe und Kommandos, wobei die Körpersprache oftmals konträr zum gesprochenen Wort ist. Der Hund versteht zwar akustisch, dass ihr was sagt, aber eben nicht was. Und mal ehrlich: Glaubt ihr wirklich, ein Hund hat mit der Muttermilch mitbekommen, was Sitz, Platz und Fuß bedeuten? Er liest an eurer Körpersprache, was ihr wollt. Ihr müsst lediglich eindeutig sein und ihn in dem Moment, in dem er macht, was ihr möchtet, dafür bestätigen. Er wird sofort wissen, dass das jetzt gerade richtig war und euch gefallen hat. Und das wollen wir doch. Wir bestechen nicht und lenken auch nicht ab. Das ist ganz wichtig. Der Hund muss die Wahl haben und die kann er nur haben, wenn er alles mitbekommt und sich frei für die für euch richtige Variante entscheiden kann. Die Entscheidung Pro oder Contra Futter beim Training trefft ihr aber natürlich selbst. Ich empfehle nur, womit ich gute, schnelle und entspannte Erfolge erzielt habe.

Und genauso wie er jetzt gelernt hat, dass das sein Platz ist, wird er auch lernen, was Sitz, Platz und Co. sind. Jeder Hund kann sitzen. Das muss man ihm nicht beibringen. Man muss ihm nur zeigen, dass das toll und genau das ist, was ihr wollt und zwar in dem Moment, wenn er es macht.

Wir freuen uns schon aufs nächste Mal und sagen:

Bis bald und Woof Woof!

Sandra und Joker

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