Zahnpflege beim Hund

Zahnpflege bei Hunden

Jeden Abend vor dem Schlafengehen ist es soweit. Joker weiß genau Bescheid und scheint innerlich „Ich glaub es geht schon wieder los“ zu singen. Bettfertig machen ist da nämlich angesagt. Nicht nur für mich, auch für ihn. Er hoppelt immer schon vor ins Badezimmer, setzt sich auf den großen Teppich (ja, ich habe im Bad einen Teppich…) und schaut mich erwartungsvoll an. Jetzt ist es an der Zeit die Ohren zu putzen, das Gesicht zu waschen, die Äuglein zu reinigen und die Zähne zu putzen. Genau, Zähne putzen. Und darum soll es heute auch gehen: Um die Zahnpflege beim Hund.

Was bringen Kauknochen für den Hund?

Wie kann das ausschauen? Was bringen Kauknochen und Co? Was ist sinnvoll und was eher nicht? Wie gewöhnt ihr euren Hund ans Zähneputzen? Und muss man das überhaupt bei einem Hund? Wie immer teile ich hier mit euch meine ganz persönliche Meinung sowie meine Erfahrungen, die ich im Laufe der Zeit als Hundemama und Trainerin gemacht habe. Meine Empfehlungen gebe ich guten Gewissens und absolut objektiv an euch weiter. Jetzt lasst uns aber endlich anfangen, hihi…

Zu allererst einmal ein paar Zahlen und Fakten:

  • Ab der dritten Woche bekommt der Welpe seine Milchzähne, 28 Stück an der Zahl. Diese sind noch sehr spitz und scharf und das knabbern durch kleine Welpen kann manchmal schon recht schmerzhaft sein.
  • Im vierten bis sechsten Monat kommt der Welpe in den Zahnwechsel, es tritt die so genannte Kauphase ein. In dieser werden besonders gern Dinge angeknabbert und regelrecht angekaut. Grund hierfür ist kein plötzliches Aufbäumen gegen euch als Hundehalter oder eine Trotzphase, wie oft fälschlicherweise diagnostiziert wird. Euer Welpe hat schlicht und einfach Schmerzen durch den Zahnwechsel und diesen versucht er sich sozusagen wegzukauen. Hierbei könnt ihr ihn unterstützen, indem ihr ihm beispielsweise eine alte Schuhsohle zum Kauen zur Verfügung stellt. Prima geeignet sind auch Hartgummibeißringe, die ihr in jedem Zoofachhandel kaufen könnt. Wenn ihr diese vorher noch ins Tiefkühlfach legt, verstärkt ihr den schmerzlindernden Effekt. Füttert ihr Trockenfutter, weicht es kurz vorm Verfüttern kurz ein. Hat der Welpe durch den Zahnwechsel Schmerzen beim Fressen, könnte er es mit dem Futter in Verbindung bringen und so eventuell ein schlechter Fresser werden.
  • Hat euer Schatz jetzt die Zeit des Zahnwechsels erfolgreich hinter sich gebracht, erfreut er sich über 42 Zähne.
  • Im Ober- und Unterkiefer befinden sich jeweils zwei Fangzähne, sechs Schneidezähne und acht vordere Backenzähne.
  • Zusätzlich verfügt das Hundegebiss über vier hintere Backenzähne im Ober- und sechs im Unterkiefer. Jeweils einer dieser Backenzähne wird aufgrund seiner besonderen Stärke und Kraft als Reißzahn bezeichnet und dient daher gemeinsam mit seinem ineinander greifenden Gegenspieler in der anderen Hälfte des Gebisses zum Zerreißen der Beute.

Wie entstehen Zahnstein und Zahnbelag bei Hunden?

Soviel zur Theorie. Kommen wir nun zur Praxis und zu einem Problem, womit erfahrungsgemäß viele vor allem kleineren Hunderassen zu kämpfen haben: Zahnstein und Zahnbelag. Aber woher kommt das? Man könnte jetzt sagen, es liegt grundsätzlich am Futter. Das stimmt häufig, aber eben nicht immer. Aber es spielt natürlich eine Rolle. Wir haben ja eben über die Anzahl der Zähne im Hundegebiss gesprochen. 42 Stück sind das, egal wie groß oder klein der Hundekiefer ist. Ist der Kopf und somit natürlich auch der Kiefer des Hundes größer und haben die Zähne darin mehr Platz, werden sich auch nicht so extrem viele Futterreste an und vor allem zwischen den Zähnen festsetzen. Je weniger Platz im Mund des Hundes für die 42 Zähne ist, umso enger ist die Zahnstellung und umso größer natürlich auch die Gefahr, dass Futterreste zu Zahnbelag und später zu Zahnstein werden. Daher ist die Zahnpflege auch so wichtig und das sowohl bei großen als auch kleinen Rassen.

Hilft Trockenfutter gegen Zahnstein?

Oftmals wird empfohlen, doch Trockenfutter zu füttern, damit der Hund ordentlich was zu kauen hat und so kein Zahnstein entsteht. Wisst ihr was? Genau das Gegenteil ist der Fall. Stellt euch vor, ihr esst einen Keks. Ihr kaut und kaut. Und was passiert, wenn ihr den Keks komplett gegessen habt? Meist hat man hinten an den Zähnen immer diese Reste kleben. Wisst ihr, was ich meine? Der Mensch kann etwas trinken, Kaugummi kauen oder Zähneputzen, um das Klebrige wegzubekommen. Der Hund kann das nicht. Trockenfutter hat nämlich aufgrund seiner Zusammensetzung dieselbe Wirkung wie unser Keks: Die Kaureste setzen sich an den Zähnen ab und schädigen diese natürlich auch mit der Zeit. Aber was können wir nun dagegen tun?

So wichtig ist die Zahnpflege beim Hund

Viele Hundebesitzer scheuen sich davor, ihrem Hund die Zähne zu putzen. „Das ist doch total sinnlos und unnatürlich“ hört man da als Antwort. Oder auch, dass sich der Wolf in freier Natur auch nicht die Zähne putzt. Witzig ist immer, dass genau diese Leute ihren Hund die ganze Zeit behandeln wie ein Kind und in diesen Momenten Rückschlüsse zum Wolf ziehen. Das finde ich jedenfalls immer wieder erstaunlich, hihi. Tatsache ist es, dass sich der Wolf in freier Natur wirklich nicht die Zähne putzt. Was bei ihm aber auch nicht so schlimm ist, ernährt er sich doch in erster Linie von Fleisch, Fellresten, Innereien und fleischigen Knochen. Kohlenhydrate kommen in seinem Speiseplan höchsten als vorverdauter Inhalt im Magen eines Beutetieres vor. Da ist die Chance, dass sich etwas davon im Gebiss festsetzt relativ gering. Daher empfehle ich auch wenn möglich immer eine Rohfütterung. Soll heißen: Rohes Fleisch, fleischige Knochen, Innereien u.a. Teile des Tieres in rohem, ungekochtem Zustand, dazu etwas Gemüse und tierische Fette und Öle. Damit ernährt ihr euren Hund ausgewogen, artgerecht und legt einen guten Grundstein zur Zahnpflege.

Welche Möglichkeiten zur Zahnpflege des Hundes gibt es denn aber nun? Hier ein paar Beispiele:

1. Zähneputzen, Zahnpflegegel

So früh wie möglich den Welpen daran gewöhnt und es geht ratzfatz, glaubt mir. Ich empfehle hierzu die Verwendung von Zahnputz-Fingerlingen, welche ihr euch auf den Zeigefinger stecken und damit das Gebiss eures Hundes Stück für Stück reinigen könnt. Ihr könnt auch etwas spezielle Hundezahnpasta oder ein Zahnpflegegel darauf geben und dies nur leicht auf die Zähne streichen. Es verteilt sich im Gebiss und wirkt nach. Vorteil des Fingeraufsatzes: Ihr habt mehr Gefühl und seid näher an eurem Hund dran als mit einer üblichen Zahnbürste, mit der ihr, wenn ihr zu viel Druck ausübt, auch schnell das empfindliche Zahnfleisch verletzen könnt. Hat es einmal weh getan beim Zähne putzen und blutet, scheuen sich viele Hunde in der Zukunft davor und das könnt ihr hiermit vermeiden. Beginnt langsam und ruhig, aber bestimmt. Ihr entscheidet, ob, wann und wie lange ihr eurem Hund die Zähne putzt und nicht er. Seid ihr zaghaft, überträgt sich das auf euren Hund und er wird auch unsicher und fragt sich, was ihr da macht und ob ihr wisst, was ihr da in seinem Mäulchen anstellt. Vergesst nicht, euren Hund zwischendurch immer wieder durch Streicheln zu bestätigen und zum Schluss auch wieder ganz kräftig zu loben, wenn er gut mitgearbeitet hat. Zähneputzen ist nämlich tatsächlich nicht wirklich natürlich für euren Hund, aber durch die genannten heutigen Gegebenheiten beinahe unvermeidbar, wenn ihr das Hundegebiss gesund erhalten wollt. Trainiert ihr das Zähneputzen mit eurem Welpen schon von Beginn an, wird es etwas völlig normales und ein täglicher Bestandteil der täglichen Hundepflege.

2. Kauprodukte wie Taue, Beißringe aus Hartgummi, Kauknochen aus Rinder- oder Büffelhaut

Diese Dinge sind prima geeignet, um den Speichelfluss anzuregen und somit auch unerwünschte Reste, die sich vom Futter zwischen den Zähnen verfangen haben, wegzukauen. Achtet hierbei darauf, euren Hund mit den Kauprodukten nicht allein zu lassen. Ein Grund hierfür ist, dass sich durch das Aneignen eines „Eigentums“, in dem Fall Knochen, Tau und Co. ein Kontrollverhalten entwickeln kann, welches eventuell das Verteidigen des vermeintlichen Eigentums zur Folge hat. Ihr verwaltet das Futter. Daher macht es hier auch Sinn, das Tau oder den Knochen für die Zeit des Kauens an einem Ende festzuhalten. So demonstriert ihr eurem Hund auf der einen Seite, dass das worauf er kaut euch gehört und nicht ihm und geht auf der anderen Seite auf Nummer Sicher, dass sich euer Hund nicht unbemerkt an abgekauten Teilen verschlucken kann. Verzichtet bei Kauprodukten auf Dinge mit Noppen o.ä. Diese sind zuerst abgeknabbert und das Spielzeug wird unsicher für Euren Hund. Ebenfalls nicht zu empfehlen sind von meiner Seite aus die stark beworbenen Zahnpflegesticks. Lest euch einfach mal die Inhaltsstoffe auf der Verpackung durch und schaut euch die Verdauung eures Hundes nach Verzehr eines solchen Sticks an. Mehr muss ich dazu nicht sagen, oder…?

3. Spezielle Zahnsteinentfernung mit Ultraschall

Ist der Zahnstein einmal da, geht er von alleine nicht wieder weg. Oft empfiehlt dann der Tierarzt eine Zahnsteinentfernung, wobei der Hund in Narkose gelegt werden muss. Wer mich kennt weiß, wie ich zu Narkose bei Hunden stehe, die nicht zwingend nötig ist und welche Erfahrungen ich damit verbinde. Daher kam diese Lösung für uns auch nicht in Frage. Also ging ich auf die Suche nach Alternativen und wurde in unserem Hundesalon fündig. Dort werden Zahnsteinentfernungen mit Ultraschall angeboten. Jeder Hundekunde bekommt seinen eigenen Zahnputzaufsatz und es sind ein paar Sitzungen nötig. Aber es ist erschwinglich, dauert pro Sitzung nur circa zehn Minuten, ist absolut nicht schmerzhaft für den Hund und das Ergebnis hat mich mehr als überzeugt. Und das alles ohne das Risiko einer Narkose – perfekt!

So ihr Lieben, ich hoffe, ich konnte euch das Thema Zahnpflege beim Hund etwas näher bringen und freue mich schon aufs nächste Mal mit einem hoffentlich für euch interessanten Thema.

Viele liebe Grüße und Woof Woof!

Sandra und Joker

Über Sandra

Hallo, ich heiße Sandra und lebe gemeinsam mit meinem Mann und meinem Hund Joker in einer kleinen, aber feinen Wohnung im schönen Sachsen. Die Begeisterung für die Themen Wohnen und Einrichten begleitet mich schon seit mehreren Jahren. Vor allem liebe ich den cleanen nordischen Wohnstil mit viel Weiß, Grau, Schwarz und ab und zu einem Klecks Farbe. Im April 2014 wurde die Idee zu meinem Blog HUNDerterlei geboren, der all meine Leidenschaften vereint: Kreativität, gutes Essen, Wohnen und Einrichten – und natürlich Hunde!

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.