Die 5 Phasen der Katzenzusammenführung

Katzen zusammenführen

Eine neue Katze in einen bereits bestehenden Katzenhaushalt einzuführen ist mitunter eine sehr nervenzehrende Aufgabe. Um Katzen erfolgreich aneinander zu gewöhnen, gibt es ein paar Faustregeln, die man beachten sollte.

Das Alter betreffend sollten die Katzen nicht mehr als zwei Jahre auseinander sein. Im Idealfall ist die neue Katze die Jüngere von beiden. Generell gilt, dass man nicht mehr Katzen halten sollte, als Halter für ausgiebige Streicheleinheiten im Haus wohnen.

Dass es aber auch klappen kann, Katzen zusammenzuführen, ohne dass die oben genannten Punkte eingehalten werden konnten, habe ich schon selbst erfolgreich erfahren.

Die Katzen müssen ihre Rangordnung selbst finden

Ein Katzenhaushalt entwickelt eine eigene Dynamik. Erfolgreich Katzen zusammenzuführen bedeutet auch, sich als Halter nicht einzumischen und vor allem, keine Partei für eines der Tiere zu ergreifen. Katzen spüren es, wenn sich der Halter schützend vor eine Katze stellt oder eine andere Katze ausschimpft. Dieses Verhalten führt zu noch mehr Eifersucht und kurbelt die gegenseitige Angriffshaltung der Katzen an.

In einem Mehrkatzenhaushalt entsteht von selbst eine Rangordnung unter den Tieren, innerhalb derer sich die Katzen mit der Zeit ihre Position erarbeiten. Eine wird die Stärkste sein, eine andere das schwächste Glied. Ist die Rangordnung erst einmal gefunden und halten sich die Katzen daran, steht einem friedlichen Zusammenleben nichts mehr im Wege. Bis es so weit ist, durchläuft das Katzenrudel meist fünf Phasen innerhalb der Katzenzusammenführung und diese möchte ich dir heute genauer erklären.

1. Die Ablehnungsphase

Die Ablehnungsphase tritt meist sofort bei der Ankunft der neuen Katze ein. Meist wird diese mit aufgestelltem Fell und in geduckter Haltung angefaucht und zur Flucht getrieben. Es können auch Tatzenhiebe folgen. Darauf sollte der Halter nicht reagieren, das Verhalten ist in so einer Situation ganz typisch und sollte auch nicht unterbunden werden. Dieses Auftreten wird einige Tage dauern, bis die Katzen ihre Rangordnung im Katzenrudel erkannt und eingenommen haben.

Der Halter sollte lediglich bei groben, körperlichen Auseinandersetzungen einschreiten, bei denen es auch Verletzungen geben kann. Man spricht hier vom berühmten Katzenwollknäuel, bei denen sich die Samtpfötchen im Kampf so ineinander krallen, dass nur noch ein Katzenknäuel sichtbar ist. Dieses Knäuel sollte gelöst werden, indem der Halter einmal laut klatscht. Meist reicht das Signal schon aus, um die Katzen kurz zu erschrecken und voneinander zu lösen.

Des Weiteren sollten alle bekannten Tagesabläufe wie gewohnt eingehalten werden, um die eingesessenen Katzen nicht zusätzlich zu verunsichern.

2. Die Duldungsphase

Irgendwann hören die Tiere auf, sich körperlich auseinanderzusetzen und auch anzufauchen. Sie leben quasi nebeneinander her, lassen sich in Ruhe, beachten sich aber auch nicht weiter. Sie dulden sich. Diese Phase kann wenige Tage beanspruchen, aber auch einige Wochen andauern. Die Katzen entscheiden das Tempo. Der Halter sollte weiterhin allen Katzen gleich viel Liebe und Aufmerksamkeit schenken.

3. Die Erkundungsphase

Die dritte Phase ist nicht nur für die Katzen sehr spannend, sondern auch für uns Halter, denn jetzt kommen sich die Katzen langsam näher. Sie werden neugierig aufeinander und beschnuppern sich. Kommt dir zum Beispiel folgende Situation bekannt vor? Du liegst abends auf dem Sofa und siehst fern. Eine Katze gesellt sich zu dir, vielleicht sogar auf dich, und möchte gestreichelt werden. Irgendwann wird die zweite so neugierig und kommt langsam ebenfalls zu euch. Sie schaut, schnuppert ein bisschen an den Kissen und legt sich irgendwann neben dich. Schnuppert dann eine Katze vorsichtig am Hinterteil der anderen Katze und die zweite lässt dies geschehen, hat die Neugier gesiegt und du kannst dich auf ein friedliches Zusammenleben freuen. Belohne beide Katzen für ihren Annäherungserfolg mit Zuneigung – am besten gleichzeitig.

Wird die Annäherung seitens einer der Katzen zu viel, solltest du sie aus der Situation entlassen und keine Annäherung erzwingen.

4. Die Phase des Zusammenfindens

Was für eine wunderschöne Phase, wenn die Katzen endlich zusammenfinden, sich beim Schlafen auf das gleiche Sofa legen und auch anfangen friedlich miteinander zu spielen und zu balgen. Klappt das ohne Probleme, kannst du dich beruhigt zurückziehen und die Katzen einfach machen lassen.

5. Die Integrationsphase

In der letzten Phase der Katzenzusammenführung können mitunter schon einige Monate vergangen sein. Manchmal dauert die Zusammenführung Jahre, bis sie komplett vollzogen ist. Wenn es dann soweit ist – was für ein Erfolg! Deine Katzen haben sich vollends akzeptiert und die neue Mieze ist vollständig in das Rudel aufgenommen und hat ihren Platz eingenommen. Die Katzen können gemeinsam fressen ohne dass es Probleme gibt, miteinander spielen und vielleicht kuscheln sie mittlerweile auch miteinander.

Gib deinen Katzen Zeit

Erhoffe dir jedoch nicht zu viel, es ist auch schon ein wahrer Erfolg, wenn deine Katzen ohne grobe Streitereien miteinander leben können und sich akzeptieren. Gib deinen Katzen die nötige Zeit, um alle Phasen zu durchlaufen. Schenke ihnen gleich viel Zuneigung und lass die Katzen ihre Rangordnung selber finden ohne viel einzuschreiten. Deine Katzen werden dir dafür sehr dankbar sein und dich mit einem harmonischen Zusammenleben belohnen.

Sollten deine Katzen zu aggressiv miteinander umgehen, empfehle ich dir einen Verhaltenstherapeuten für Katzen aufzusuchen. Dieser kann dir weitere nützliche Tipps geben und dir zeigen, was du tun kannst, um die Situation zu verbessern. Außerdem kann er dir homöopathische Mittel empfehlen, die deine Katzen in der Phase des Zusammenfindens unterstützen können.

Ich wünsche dir viel Erfolg und vor allem Geduld in dieser aufregenden Zeit der Katzenzusammenführung.

Über Annika

Annika lebt mit ihren drei Katzen in München. Sie hat eine Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin für Katzen gemacht und berichtet auf ihrem Blog Stilliebe vom Zusammenleben mit ihren Samtpfötchen und vielen anderen schönen Dingen des Lebens.

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3 Kommentare

  • Klemens sagt:

    Nachdem mein einer und auch erster Kater im Alter von ca. 14 Jahren verstorben war, wollte ich unbedingt wieder einen Artgenossen für meinen Kater haben.
    Ich bekam von jemandem einen ca. 1 jährigen Kater.
    Die o.g. 5 Punkte durchliefen sie nicht so ganz.
    Es ging alles deutlich schneller und richtig ernsthafte Auseinandersetzungen gab es auch nicht.
    Der ältere der beiden ist 6 Jahre älter. Auch der jetzt älter und der verstorbene Kater waren ca. 8 Jahre auseinander. Über Stufe 2 (Duldung) ging es dort allerdings bis zuletzt doch nicht hinaus.
    Aber bei der aktuellen „Paarung“ gibt es keinerlei Probleme. Sie lieben sich, lecken sich gegenseitig u.a. am Kopf und liegen Kopf an Kopf auf der Fensterbank und kuscheln. Der ältere wird, so habe ich das Gefühl, als der „Chef“ akzeptiert.
    Ein wunderschönes Bild so etwas zu sehen. Mir kommen dabei manchmal sogar die Tränen

  • Lisa sagt:

    Ich habe seit 3 Wochen zu meiner 1,5 jährigen Milli den kleinen Balu geholt, damals etwa 17 Wochen. Balu war die ersten 2 Tage allein hier in der Wohnung, da Milli über die Feiertage bei meiner Mutter untergebracht war. Um den Geruch allerdings erstmal nicht überall in der Wohnung zu haben, War er in diesen 2 Tage nur im Bad.
    Balu ist das komplette Gegenteil von Milli. Milli muss als Kitten sehr schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, oft darf nicht mal ich sie streicheln bzw sie haut ab, bevor irgendjemand dazu kommt. Balu saß mir hingegen schon am ersten Abend schnurrend auf dem Schoß, kletterte auf mir herum und forderte sich viele Schmuseeinheiten ein.
    Die ersten 2 Tage der Zusammenführung waren nicht so toll, allerdings sind beide auch nicht besonders aggressiv. Kam der eine dem anderen zu nah, gab es einen Tatzenhieb, später beim ersten Spielen wurde auch mal gefaucht, aber schon am 3. Tag waren die beiden sehr freundlich zueinander und alle Türen konnten offen bleiben, auch während ich schlief. Nach einer Woche lagen sie keine 40cm entfernt im selben Kratzbaum und ich habe die Wohnung verlassen, ohne die beiden vorher zu trennen (die Woche davor konnte ich komplett zuhause bleiben). Nur richtig kuscheln tun sie immer noch nicht, wobei ich vermute, dass es an Milli liegt und sie das ebenfalls wie das Streicheln lassen nicht besonders mag. Mal schauen, was in Zukunft noch kommt.

    Auf jeden Fall habe ich vor kurzem erfahren, dass Balu zusammen mit seinen Geschwistern wohl sehr eifersüchtig war. Das merke ich hier gar nicht, was daran liegt, dass Milli sich keine Streicheleinheiten abholen kommt. Möchte Balu kuscheln, bin ich zu 99% „verfügbar“ 😉 Die Kombi könnte nicht besser sein <3

    Ich bin sehr stolz auf meine Mäuse, sich inenrhalb so kurzer Zeit zu respektieren. Das Spielen klappt auch schon toll, sie jagen sich gegenseitig und kommen gut miteinander klar. Wer von beiden der Chef ist, lässt sich noch nicht so genau erkennen, Balu versucht es immer wieder, aber noch scheint es Milli zu sein, die ihn ab und zu zurechtweist^^ Aber sie ist lieber passiv und beobachtet gerne aus sicherem Abstand.

    Die 5 Phasen im Artikel konnte ich allerdings nicht so richtig beobachten, aber da ist jede zusammenführung ja abhängig von den Charakteren und genauso individuell

  • Christine sagt:

    Ich finde es nicht gut die Katzen gleich zusammen zu setzen. Grundsätzlich trenne ich die Tiere erstmal, damit die neue Katze erstmal in Ruhe ankommen kann.- Dafür bekommt sie erstmal ein eigenes Zimmer und sie werden erst nach und nach zueinander gelassen, auch immer nur kurz um zu schauen wie die Tiere aufeinander reagieren. Meistens sind es die neuen Katzen die erstmal fauchen und knurren, zumindest bei mir. 🙂
    Ich entscheide mein Vorgehen immer aus dem Bauch heraus, wie lange es dauert, aber ich lasse der neuen Katze immer ein paar Tage Zeit, tausche auch mal die Räume und bin immer dabei wenn ich sie zusammen lasse. Es gab noch nie richtig Stress, einfach so zusammen setzen halte ich ehrlich gesagt nicht für gut, das kann ins Auge gehen und wenn die Katzen sich erstmal so verhauen das sie, wie oben beschrieben, ineinander hängen, dann ist der Stress erstmal da und es wird schwierig das wieder aus den Köpfen zu bekommen.
    Außerdem möchte ich auch nicht das eine Katze so geprügelt wird, was soll daran einen Sinn haben?
    Lieber allen Katzen ausreichend Zeit geben sich an die neue Katze zu gewöhnen, ich hatte hier 3 Katzen und es kamen immer mal Findelkatzen oder Pflegekatzen oder auch mal ein Neuzugang dazu. Mit meiner Methode hatte ich noch nie ein Problem.
    Aktuell habe ich leider nur noch 2 Katzen, 2 sind verstorben und damit mein Mädchen nicht mehr allein ist, kam ein Diabetiker Kater dazu. Sie lieben sich nicht, akzeptieren sich aber und gehen sich aus dem Weg.
    Das kann leider auch passieren, aber damit können wir alle 3 gut leben. 🙂

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