Der Hund am Tisch – So gewöhnst du ihm das Betteln ab

Hund bettelt am Tisch

Der Hund am Tisch: Ein Häppchen für die Mutti, eines für den Papa, eines für die Oma…. Und ehe man sich´s versieht, hat der Hund für die ganze Verwandtschaft mitgegessen und… Ja, und? Und ist immer noch nicht satt. Wie auch? Er wird ja am Tisch bei der Stange gehalten und wer so lieb guckt, darf doch auch was bekommen. Wäre ja sonst Folter, oder? „Wir essen und er darf nicht. Das ist unmenschlich und verletzt seine Gefühle!“ Kennt ihr solche Situationen? Tja, ich auch…

Unser Hund lebt ja streng genommen in 2 Familien und wird noch strenger genommen auch zweimal erzogen: einmal von mir und einmal von meinen Eltern. Nicht. Ich bin wirklich froh um meine Eltern, bitte nicht falsch verstehen. Und ich bin ihnen enorm dankbar, dass sie jeden Tag, wenn wir arbeiten, den kleinen Mann zu sich nehmen. Sie lieben ihn. Und er sie. Wenn ich ihn am Abend nach der Arbeit abhole, muss ich immer lachen, wenn ich das Verabschiedungselend hinter der Tür höre. „Na, Joker, gibt´s noch ein Bussi für die Omi? Ja, priiiima! So, jetzt gucken wir mal, wer das ist, bestimmt die Mama…“ Und ich denke mir dann immer „Lieber Gott, lass da bitte nie jemanden mithören…“ Ich sehe auch immer ganz genau, wenn´s wieder was vom Tisch gab, obwohl das meine Eltern immer ganz vehement bestreiten. „Aber neeeein, gibt´s bei uns doch nicht! Niemaaaals! Kind, wie kommst Du denn daaarauf!“ Und ich schau dann nur Joker an, der mich, wenn man ihn jetzt vermenschlichen würde, was wir ja nicht tun, fröhlich-frech angrinst. So als wolle er sagen „Hahaaaa, wenn Du wüsstest… Lass Oma und Opa mal in dem Glauben. Ich beiß auch so, wenn sie nicht gucken, am Frühstückstisch in die Butter und lass Opa dann überlegen, wo die kleinen Hasenzahn-Abdrücke herkommen…“

Die Idee für diesen Text kam mir im Übrigen im Gespräch mit einem lieben Kollegen. Dessen Eltern haben auch einen Hund, einen kleinen Jack Russel Terrier und ich hatte vor einiger Zeit gefragt, was er sich als Thema denn mal wünschen würde. Ich möchte ja auch über Dinge schreiben, die euch als Leser interessieren und was liegt da näher, als mit „Betroffenen“ direkt zu sprechen, hihi… „Schreib doch mal was über Hunde am Tisch, das ist immer ein Elend bei uns“ kam da als Antwort und ich dachte mir, okay, mach ich doch glatt!

Hund klaut Essen vom Tisch

Dürfen Hunde vom Tisch essen?

Ja, Hunde am Tisch, da scheiden sich die Geister. Viele Leute mögen es, wenn der Hund alles, aber auch alles mit ihnen teilt: Partner, Bett, Tisch und auch die Waffel vom Nachtisch-Eis. Natürlich mit noch ein bisschen Eis dran, schmeckt doch sonst nicht. Andere wiederum sind ganz strikt dagegen, dass der Hund mit am Tisch sitzt oder auch nur daneben liegt. Er hat da nichts verloren, das ist unhygienisch und versaut die Erziehung, finden sie. Und mit etwas haben sie auch Recht: Es versaut die Erziehung. Und zwar genau dann, wenn wir dem Hund während des Essens das Gefühl geben, es könnte sich lohnen zu warten und lieb zu gucken. Wenn wir ihn merken lassen, dass wir weich werden, es nicht mit angucken können, wie er hungert während wir genießen, wir inkonsequent sind und nachgiebig. Und somit schwach in den Augen unseres Hundes, keine Führungspersönlichkeit und – schwupps! – schlüpfen sie durch das Nachgiebigkeitslöchlein. Und schon haben sie uns und kontrollieren uns, nicht mehr wir sie. Und dann wundern wir uns, wenn unser Hund sich etwas vom Tisch nimmt. Nein, nicht klaut. Er nimmt es sich, weil es ihm gehört. Weil wir ihm nie klar gezeigt haben, dass wir UNSER Essen auch für UNS beanspruchen. Dann wird er ausgeschimpft und bestraft. Und der Hund? Der hat ein riesiges Fragezeichen im Kopf und weiß überhaupt nicht mehr, woran er sich halten soll.

Hund das betteln abgewöhnen

Wie gewöhnt man dem Hund das Betteln am Tisch ab?

Aber wie mache ich das? Wie beanspruche ich mein Essen für mich und was muss ich tun, dass mein Hund am Tisch nicht nervt? Ganz einfach eigentlich: Gib Deinem Hund eine Aufgabe. Träumt er sich die ganze Zeit unkontrolliert durch die Gegend und trifft eigene Entscheidungen, wird er es zwangsläufig mal bei euch am Tisch versuchen. Kann ja sein, dass doch was runterfällt. Der Hund ist ja ein Beutegreifer. Oder vielleicht wird auch Opa schwach in dem Moment, in dem ihr gerade nicht hinguckt. Wie schaut das in der Realität aus? Möchtet ihr nicht, dass euer Hund neben euch am Tisch liegt, ist das völlig okay. Dann bringt ihn für die Dauer eures Essens auf seinen Platz und belasst ihn dort. Das baut ihr genauso auf, am besten natürlich von Beginn an, wie das bereits in einem früheren Text erwähnte und beschriebene Deckentraining.

Hund am Tisch: So hältst du ihn auf Abstand

  • Deckt den Tisch und bringt euren Hund wortlos auf seinen Platz. Er soll ruhig alles mitbekommen dürfen und euch sehen.
  • Legt eurem Hund ein Futterstück möglichst zwischen seine Pfötchen auf die Decke.
  • Steht auf und geht einen Schritt zurück.
  • Bleibt er liegen, wunderbar! Dann legt wieder wortlos ein Futterstückchen zwischen seine Pfötchen und entfernt euch wortlos ein paar Schritte.
  • Setzt euch an den Tisch und beobachtet euren Hund aus den Augenwinkeln. Wartet kurz und geht wieder hinüber zu ihm. Liegt er noch komplett auf seinem Platz und damit meine ich wirklich KOMPLETT, also kein Füßchen oder das Popöchen von der Decke wie zufällig herunter gerutscht, dann belohnt ihn wieder mit einem Futterstück.
  • Wiederholt diese Schritte in den zeitlichen Abständen, wie ihr merkt, euer Hund vermag das zu leisten. Steht er auf und will zu euch, dann verkürzt die Abstände wieder, alles überhaupt kein Problem. Ihr lernt ja noch.

Anfangs kann dieses Training wirklich etwas länger dauern. Ich empfehle, dem Hund dabei eine leichte Heimleine anzulegen. So könnt ihr euren Hund besser kontrollieren und wieder auf seinen Platz führen, ohne die Hände dabei benutzen zu müssen. Verliert bitte nicht die Geduld und bleibt ruhig. Legt das Training vielleicht auch nicht gerade auf Heilig Abend oder ein anderes größeres Essen mit Familie oder Freunden. Beginnt ganz entspannt im Alltag und trainiert täglich, gerne auch im Restaurant, wenn ihr euren Hund dahin mitnehmen möchtet. Auch da sollte es ja funktionieren, dass er entspannt unter dem Tisch liegen kann, ohne zwischendurch auf den Teller zu schauen. Wir nehmen auch immer ins Restaurant eine kleine Decke mit, auf der wir Joker platzieren können. Oft ist das auch hilfreich bei kalten Böden, damit sich euer Liebling nicht erkältet. So könnt ihr außerdem die Futterstückchen ebenfalls wie daheim direkt auf die Decke legen und müsst hierbei nicht aus der Hand füttern. Wie ihr bestimmt schon wisst, füttere ich gerne und viel aus der Hand, um Hände für den Hund positiv zu verknüpfen und die Bindung zu stärken. Im Fall des Deckentrainings ist dies aber eher kontraproduktiv. Warum? Oftmals folgen viele Hunde dann der Hand und stehen wieder auf. Verknüpfen sie einmal Decke mit Futter, werden sie gerne und freiwillig auf der Decke liegen.

Hat euer Hund diesen Ablauf einmal begriffen und verinnerlicht, wird das etwas völlig Normales für ihn werden und er wir seinen Platz bereits aufsuchen, wenn er merkt, dass sich essenstechnisch bei euch etwas tut und der Tisch vorbereitet wird. Voraussetzung ist, dass ihr konsequent bleibt und ALLE in der Familie mitziehen. Hier muss ich sagen, ist es wirklich wie bei kleinen Kindern. Die merken nämlich auch genau, wo sie was dürfen und wo nicht und ich merke bei meinen Neukunden auch immer anhand des Hundes, wo die Schwachstelle der Familie liegt, hihi…

Hund vom Tisch fernhalten

Wie gewöhnt man dem Hund ab Essen vom Tisch zu klauen?

Aber wie mache ich dem Hund denn begreiflich, dass das, was auf dem Tisch liegt, meins ist? Auch ganz einfach: Indem ich ihm sein Futter zuteile, beispielsweise durch das eben erwähnte Deckentraining und ich mein Essen für mich beanspruche. Wie schaut das aus?

  • Nehmt euren Hund mit an den Tisch und lasst ihn sich setzen oder hinlegen. Bereitet euch vorher einen Futterbeutel mit kleinen Futterstückchen vor, den ihr bei euch tragt.
  • Stellt euren Teller mit lecker riechendem Essen auf den Tisch und zwar so, dass der Hund das sehen kann und alles mitbekommt. Würde er selbst entscheiden, wäre er ruckizucki oben und würde den Teller leer schlabbern. Und das wäre aus seiner Sicht auch total normal und artgerecht. Jetzt lebt er aber nun mal mit uns und soll sich an unseren Werten und Regeln orientieren. Also müssen wir ihm zeigen, welche das sind und woran er sich orientieren kann. Eigentlich ganz einfach, oder?
  • Euer Hund wird jetzt natürlich in Richtung Teller schauen und schnuppern. Stellt euch dazwischen und blockiert mit eurem Körper den Tisch. Setzt sich euer Hund und schaut euch an, gebt ihm ein Futterstück und macht den Weg zum Teller optisch für den Hund wieder frei. Wichtig: Euer Hund muss jeden Reiz mitbekommen dürfen, damit er die Chance hat, sich für euch richtig zu verhalten. Lenkt ihr ihn mit dem Futter ab, wird er nie verstehen können, was ihr von ihm wollt und der Reiz wäre ständig vorhanden und etwas, worauf er irgendwann einmal reagieren müsste. Einfach weil ihr ihm nie gezeigt habt, was er stattdessen tun soll.
  • Setzt euch jetzt an den Tisch und beginnt zu essen. Das setzt gleichzeitig den Reiz neu. Er sieht jetzt das Essen zum Beispiel auf der Gabel. Legt sich der Hund, bestätigt auch das mit einem Stückchen Futter. Legt auch gern etwas ganz leckeres direkt auf den Tischrand, so dass er es sehen und riechen MUSS. Fies, oder? Nö, eigentlich nicht. Denn alles was auf dem Tisch liegt, gehört euch. Das muss Wuffi begreifbar gemacht werden. Interessiert sich euer Hund für die Leckerei, legt eure Hand darauf. Nimmt er sich zurück und setzt sich beispielsweise hin, bestätigt ihr dieses Alternativverhalten erneut mit Futter. So wird er verstehen, dass Futter nur von Herrchen oder Frauchen kommt und er es sich nicht selbst suchen und nehmen muss. Dieses Training ist auch extrem hilfreich, wenn man an so genannte Giftköder denkt…

Wie sieht das aber nun bei uns zu Hause aus? Also, was Oma und Opa machen, kann ich mir denken und ich weiß es auch ein Stück weit. Wenn wir essen, ob in der Wohnung, auf Balkonien oder im Restaurant, liegt Joker neben uns am Tisch. Meist schläft er, was wir unweigerlich am lauten Schnarchen erkennen. Klar schaut er uns auch mal an. Dann wir ihm wortlos klar gemacht, dass liegen für ihn viel cooler und vor allem sinnvoller und lukrativer ist. Warum? Weil´s dann nämlich was leckeres für ihn gibt von SEINEM Futter und nicht von unserem. Und das ist doch viel schöner, als sinnlos am Tisch zu hocken, zu sabbern und zu hoffen, dass sich jemand erbarmt oder etwas runter fällt, oder?

Wir hoffen, euch hat unser heutiges Thema gefallen und freuen uns schon aufs nächste Mal. Lasst es mich gern wissen, über welche Themen ihr mehr erfahren möchtet. Gern gehe ich darauf ein.

Liebste Grüße und Woof Woof!

Sandra und Joker

Über Sandra

Hallo, ich heiße Sandra und lebe gemeinsam mit meinem Mann und meinem Hund Joker in einer kleinen, aber feinen Wohnung im schönen Sachsen. Die Begeisterung für die Themen Wohnen und Einrichten begleitet mich schon seit mehreren Jahren. Vor allem liebe ich den cleanen nordischen Wohnstil mit viel Weiß, Grau, Schwarz und ab und zu einem Klecks Farbe. Im April 2014 wurde die Idee zu meinem Blog HUNDerterlei geboren, der all meine Leidenschaften vereint: Kreativität, gutes Essen, Wohnen und Einrichten – und natürlich Hunde!

Ähnliche Artikel

1 Kommentar

  • Alexandra Helm sagt:

    Hallo liebe Sandra!

    Erstmal großes Lob für deine tolle Seite und die super Tipps!
    Ich habe da mal eine Frage:
    Wir haben einen Zwergpinscher, die ja in der Regel eine sehr selbstbewusste Rasse sind. Ich nehme ihn auch oft mit ins Restaurant, dort kommt er dann auf seine Decke und nach einer Weile erhält er einen Knochen, an dem er dann fröhlich vor sich hin nagt. Alles ganz entspannt BIS ein anderer Hund das Restaurant betritt. Dann fängt er erstmal an zu bellen. Ich versuche dann möglichst ruhig zu bleiben und verweise ihn auf seinen Platz, was manchmal einen Moment dauern kann.
    Gibt es eine Möglichkeit dieses „Warnbellen“ zu unterbinden? Es gibt ja Hunde, die das so überhaupt nicht interessiert, wenn ein anderer Hund rein kommt, aber unser Quinn reagiert da leider jedes Mal…

    Vielen Dank und liebe Grüße,

    Alexandra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.