Ist BARF das Richtige für meinen Hund?

BARF als Hundefutter

„Hungeeeeeer!!!“ Joker brüllt und meint, er hat seit Taaaagen nichts gefressen und soooo Lust auf was Leckeres… Kennt ihr das auch?  Ja? Hm, ich auch!

Wann es das letzte Mal was zu Essen gab? Er kann sich absolut nicht dran erinnern. Muss irgendwann im letzten Monat gewesen sein. Wenn nicht sogar noch länger her, bedenkt er sein aktuelles Loch im Magen… Warum Hunde kein wirkliches Sättigungsgefühl haben und fressen, bis eigentlich nix mehr geht und darüber hinaus? Weil sie Raubtiere sind und es in ihrer Natur liegt. Kann ja sein, dass er morgen nichts bekommt und was er hat, hat er. Fast wie beim Menschen, der Nulldiät macht. Viele denken, mit Verzicht auf Essen nimmt man prima ab. Ist anfangs sicher auch so. Auf der Waage. Man nimmt hauptsächlich Muskelmasse ab und Wasser. Wie ungesund das ist, brauch ich hier nicht erwähnen. Ich denke, das wissen wir alle. Der Abnehmwillige hat also eine zeitlang nur ganz wenig gegessen oder ganz gehungert, beginnt dann wieder mit der normalen Nahrungsaufnahme und los geht’s. Der Körper brüllt “ Yayyyy Essen!! Schnell bunkern, falls die oder der wieder auf die Idee kommt, mir nix zu geben!“ Und es setzt sich sicher nicht da fest, wo wir wollen. Der Hund kann gleich gar nicht unterscheiden, wann er satt ist, auch wenn viele Menschen ihm eine sehr hohe Intelligenz zugestehen. Sorry, beim Futter ist er einfach nur ein simpel denkendes Raubtier, was seine Ressourcen, in dem Fall das Futter, verwaltet. Da er aber kein frei lebender, eigene Entscheidungen treffender und für sich selbst sorgender Wolf mehr ist, liegt diese Aufgabe jetzt bei uns. Soll er uns als seinem Rudelführer doch freiwillig folgen und somit muss er auch darauf vertrauen können, dass seine wichtigen Bedürfnisse wie Selbsterhaltungs- und Futtertrieb regelmäßig durch uns erkannt und gestillt werden und darum soll es heute gehen.

Wie entscheide ich mich für eine Fütterungsmethode?

Über die Art der Fütterung entscheidet jeder Hundebesitzer selbst. Da möchte ich auch nichts verteufeln oder in den Himmel heben. Es gibt Hunde, die mit Trockenfutter vom Discounter steinalt werden, deren Fell schöner glänzt als meine Haare nach einer teuren Kur und die die schönsten und weißesten Zähne überhaupt haben. Andere wiederum zeigen allergische Reaktionen auf alles mögliche und wieder andere stehen vorm Napf, gucken rein, den Menschen fragend an, drehen sich um und gehen wieder. Da müsst ihr individuell schauen, was eurem Hund gut tut und was das ist, merkt ihr ganz deutlich an seinem Wohlbefinden. Ich teile hier mit euch meine ganz eigene Meinung als Frauchen, Hundetrainerin und Ernährungsberaterin in der Fachrichtung Hund und erzähle, was wir Joker füttern und wie und welche Art der Fütterung ich euch mit gutem Gewissen weiterempfehlen kann.

Welches Futter für meinen Hund?

Zuerst einmal muss ich sagen, dass wir Joker bis Ende des letzten Jahres gebarft haben. Was das bedeutet, wissen vielleicht die meisten von euch. BARF bedeutet Biologisch Artgerechte Roh-Fütterung. Oder auf englisch bone and raw food. Aber wie funktioniert das nun? Einfacher als die meisten denken, soviel kann ich schonmal sagen. Viele Hundebesitzer wissen zwar, dass sie gesünder und artgerechter ihren Hund nicht ernähren können, scheuen sich aber vor dem Aufwand. Dem vermeintlichen Aufwand genauer gesagt. „Aber Sandra, bei meinen Bekannten stinkt das immer so abscheulich, wenn die für ihren Hund kochen… Die Innereien… Oder Pansen!! Bäääh, neeee, das ist nichts für uns. Und die Allergie ist bei deren Hund auch immer noch da“. So oder so ähnlich habe ich diese Verunsicherung schon mehrfach gehört und meist im Beratungsgespräch aus der Welt schaffen können. Warum? Roh bedeutet roh. Nicht gekocht, gebraten oder gedünstet (zumindest nicht das Fleisch). Einfach nur Roh. Punkt.

Was gilt es bei der Hundefutterwahl zu beachten?

  • Zuerst einmal: Fühlt ihr euch unsicher mit der Ernährung eures Hundes, holt euch professionelle Hilfe durch einen Ernährungsberater, der auf Hunde spezialisiert ist. Im direkten Gespräch können Zweifel abgebaut und über eine dem Hund angepasste Ernährung gesprochen werden. Hierbei wird auf die Wünsche der Besitzer eingegangen, aber dennoch objektiv beraten. Ihr lernt selbstständig alle Berechnungen für euren Hund durchzuführen und ggf. auch nachzuberechnen und anzupassen. Schaut, dass es sich um eine herstellerunabhängige Beratung handelt. Ein Profi kann euch auch hilfreich zur Seite stehen, wenn euer Hund beispielsweise Übergewicht hat und abnehmen sollte oder eine sinnvolle Welpenernährung empfehlen.
  • Bittet zudem Euren Tierarzt um ein Blutbild Eures Hundes. Hier seht ihr eventuelle Mangelerscheinungen und könnt gezielt mit dem Futter gegensteuern und anpassen. Lasst das regelmäßig anfertigen, so seht ihr auch, ob die errechneten Mengenverhältnisse stimmen und euer Hund ausgewogen ernährt wird.
  • Berechnet die richtigen Mengenverhältnisse. Überlegt zuerst, wie aktiv euer Hund ist, sehr, normal oder eher weniger aktiv. Als erstes wird der Energiebedarf eures Hundes berechnet, danach bei Nass- und Trockenfutter die Energiedichte des verwendeten Futters. Anschließend wird beides verwendet, um den Tagesbedarf zu errechnen. Beachtet bitte, dass dies Richtwerte sind. Oftmals ist die richtige Futtermenge ein Ausprobieren, ebenso wie die Art des Futters. Ich empfehle grundsätzlich zur besseren Verdauung zweimal am Tag zu füttern. Bei größeren Hunderassen wird so auch die Gefahr einer Magendrehung vermindert.

Ist BARF das Richtige für meinen Hund?

  • Bei BARF geht man von einer Futtermenge von ca. 2-3 % vom Körpergewicht aus und rechnet grob mit einem Mengenverhältnis von 95 % Fleisch (davon 80 % pures Fleisch und 20 % Fleisch und fleischige Knochen) sowie 5 % Gemüse. Dies sollte wie in der Natur vorverdaut oder zumindest etwas angekocht sein. Wann frisst nämlich ein Wolf Gemüse? Richtig, im Magen eines Tieres, welches er sich gerade einverleibt. Hierbei ist der Gemüseanteil des z.B. Schafes vorverdaut und somit auch verwertbar.

Barf - die richtige Futtermenge bestimmen

  • Wir füttern einmal pro Woche von einem Bio-Ei das Eigelb und die Schale zu, welche den Calciumbedarf deckt. Das Eiweiß lassen wir weg, da es sich negativ auf die Nieren auswirken soll und auch Verdauungsprobleme verursachen kann. Übers Futter kommt 1 Teelöffel gutes Öl. Wir verwenden Leinöl, da wir das selbst gern essen zu z.B. gekochten Kartoffeln und wir bei Joker festgestellt haben, dass der Geruch gerade in der Zeckenzeit den Zecken offensichtlich nicht so zusagt. Ihr könnt aber auch z.B. ein Lachsöl verwenden, ganz wie ihr mögt.
  • Bitte keine Zufuhr von Wärme beim Fleisch und den Knochen. Das Problem ist, dass sich beim Erwärmen ab einer bestimmten Temperatur die Eiweißmoleküle verändern und a) Knochen brüchig werden, splittern, welches Lebensgefahr durch Verletzungen von Darm und Speiseröhre bedeutet und b) so genannte „Fleischallergien“ bisher nur bei gekochten tierischen Proteinen nachgewiesen werden konnten, nicht aber bei rohen.
  • Bitte beachtet die so genannten verbotenen Lebensmittel wie z.B. Schokolade, Schweinefleisch und -knochen, Zwiebeln, Brennnessel, Lauch, Knoblauch, Tomaten, Paprika, rohe Kartoffeln, Sojabohnen, Bohnenkeimlinge und Nüsse.
  • Beim Barfen können verschiedene Fleischsorten wie Rind, Kalb, Ziege, Geflügel, u.a. verfüttert werden. Ungewaschener grüner Pansen riecht wirklich nicht lecker, wird von Hunden aber geliebt und ist noch dazu ein guter Lieferant für den Gemüseanteil. Fische können komplett verfüttert werden, nur beim Lachs entfernt bitte den großen harten Mittelknochen. Innereien könnt ihr einmal die Woche mit anbieten. Wir kaufen das Fleisch tiefgefroren beim lokalen Futterladen unseres Vertrauens. Nach dem auftauen wiege ich die Futterportionen ab und friere es in kleinen Gefrierbeuteln wieder ein. So kann ich abends eine Portion aus dem TK nehmen und die über Nacht schonend im Kühlschrank auftauen lassen. Achtet bitte darauf, alle Futterkomponenten immer bei Zimmertemperatur zu verfüttern. Für den Gemüseanteil eignen sich neben dem erwähnten Pansen auch angekochte Zucchini, Fenchel, etwas Melone im Sommer, Erdbeeren, Äpfel ohne Kerne, Bananen, Karotten u.a.

barf - futterrationen portionieren

  • Verzichtet auf Getreide, was oftmals als billiger Füllstoff in Fertigfutter verwendet wird. Viele Hunde reagieren allergisch auf Getreide. Wer mag, kann eine kleine Menge Kohlenhydrate ergänzen, wie z.B. etwas gekochte Kartoffel oder auch einen Klecks Hüttenkäse. Wir selbst haben die Erfahrung gemacht, dass eine reine Fleisch-Gemüsefütterung durch den puren Proteinanteil für Joker weniger geeignet ist, da Ende letzten Jahres bei ihm Harn- und Blasensteine festgestellt wurden und schwupps war Schluss mit unserer Art der Fütterung. Unsere Tierärztin stellte im Blutbild zusätzlich erhöhte Leber- und zu niedrige Schilddrüsenwerte fest und wir begannen eine Therapie mit Spezialtrockenfutter, welches den Urin alkalischer macht, was wiederum die Auflösung der Steine begünstigt. Zusätzlich bekommt er eine pflanzliche Leberschontherapie und eine Tablette gegen Schilddrüsenunterfunktion. Seine Blutwerte haben sich seitdem sehr verbessert, die Schilddrüsenwerte sind im Normalbereich und, welch Überraschung, sein Hautzustand ist auch viel besser geworden. Seine schlechte Haut war nämlich nicht das Ergebnis einer Allergie wie bisher angenommen, sondern lag in der Schilddrüse begründet. Seitdem beschäftigen wir uns auch mit dem Thema „Teilbarfen“, womit wir prima zurecht kommen und wozu ich euch jetzt etwas erzählen werde.
  • Teilbarfen kann auch eine Möglichkeit sein, wenn ihr euch an das Thema BARF herantasten wollt, aber noch nicht komplett umstellen wollt. Viele Hunde vertragen diese Form der Ernährung erstaunlich gut. Aber auch hierbei müsst ihr auf euren Hund und seine Zeichen achten. Verträgt er es nicht, reagiert sofort und stellt die Ernährung von Wuffi um. Beim Teilbarfen wird eine Mahlzeit am Tag in Form von Fertigfutter (Trocken oder Nass) gefüttert, die zweite besteht aus Rohfutter wie im vorherigen Punkt beschrieben. Die richtige Futtermenge zu bestimmen ist in dem Fall etwas schwieriger als beim reinen Barfen. Hier kann aber auch wieder ein Experte helfen. Wichtig ist nur, dass ihr nie Fertigfutter mit Rohfutter mischt, das heißt, Trockenfutter nicht zusammen mit Fleisch füttert. Das Trockenfutter dehnt sich im Gegensatz zum Rohfutter im Magen noch aus, das Volumen wächst unkontrolliert, was wiederum Unverträglichkeiten und Magendrehungen begünstigt.

Probiert aus, womit ihr und vor allem euer Hund am Besten zurecht kommt. Spart nicht am Futter und schaut euch die Inhaltsstoffe von Fertigfutter vor dem Kauf genau an. Achtet hierbei auf möglichst wenige Inhaltsstoffe. Rohfütterung ist vielleicht etwas aufwendiger als nur den Futtersack zu öffnen und das Futter in den Napf zu packen, nicht aber teurer. Sucht euch einen guten Futterladen, der Fleisch aus der Region anbietet. So seid ihr auf der sicheren Seite was die Fleischqualität angeht. Meist bekommt ihr dort auch eine kompetente Beratung. Zum Thema Füttern im Urlaub habe ich letztens bei „Sommer, Sonne, Urlaubszeit“ bereits von unseren Erfahrungen mit sowohl Trockenfütterung als auf BARF berichtet. Stellt eurem Hund bitte immer ausreichend frisches Wasser zur Verfügung. Gerade bei Trockenfutter ist es wichtig, dass die Fellnase ausreichend trinkt, damit die Nieren gut arbeiten können. Ich empfehle auf Welpenfutter zu verzichten und stattdessen mit einem Anpassungsfaktor zu arbeiten. Diesen berechnet man aus dem aktuellen Gewicht des Welpen und dem zu erwartenden Körpergewicht. Ich berechne ihn für meine Kunden einmal die Woche neu und passe die Futtermenge an, nachdem der Welpe gewogen wurde, bis das endgültige Gewicht erreicht ist. Spezielles Welpenfutter hat häufig einen erhöhten Calciumantell, welcher dafür sorgt, dass der Welpe oftmals schneller als normal in die Höhe schießt. Das Wachstum der inneren Knochendichte kommt mit dem der äußeren Schichten aber nicht mit. Die Knochenentwicklung kann dadurch gestört werden und die Knochendichte verringert. Jeder Hund reagiert anders, daher stellt euren Hund regelmäßig beim Tierarzt vor, beobachtet genau und wiegt ihn regelmäßig, egal für welche Art der Fütterung ihr euch entscheidet.

Bis zum nächsten Mal, liebste Grüße und Woof Woof!

Sandra und Joker

Über Sandra

Hallo, ich heiße Sandra und lebe gemeinsam mit meinem Mann und meinem Hund Joker in einer kleinen, aber feinen Wohnung im schönen Sachsen. Die Begeisterung für die Themen Wohnen und Einrichten begleitet mich schon seit mehreren Jahren. Vor allem liebe ich den cleanen nordischen Wohnstil mit viel Weiß, Grau, Schwarz und ab und zu einem Klecks Farbe. Im April 2014 wurde die Idee zu meinem Blog HUNDerterlei geboren, der all meine Leidenschaften vereint: Kreativität, gutes Essen, Wohnen und Einrichten – und natürlich Hunde!

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