Der richtige Umgang mit einer ängstlichen Katze

Umgang mit einer ängstlichen Katze

Als Traumkatze stellen wir uns wohl eine süße, knuffige Katze vor, die anhänglich ist, gerne kuschelt, sich streicheln lässt und sich sozial gegenüber Menschen und Artgenossen verhält. Sie frisst ordentlich, trinkt genug, spielt super gerne und benutzt artig und sauber das Katzenklo. Ja, diese Katzen gibt es – und nicht gerade wenige. Aber was, wenn man eine Katze bei sich aufnimmt, die nichts von all dem tut? Was ist, wenn ich eine Katze bei mir zuhause habe, die sich nur verkriecht und unsauber ist? Vor zwei Jahren habe ich eine extreme Angstkatze bei mir aufgenommen und möchte euch berichten, wie aus einer scheuen Katze ein wahres Zuckerstück werden kann.

Ängstliche Katzen wachsen meist ohne menschlichen Kontakt auf. Sie werden auf der Straße geboren und haben vielleicht auch schon viele Jahre als Straßenkatze verbracht und sich durchschlagen müssen. Sie sind nicht richtig sozialisiert und haben oft viele negative Erfahrungen gemacht, die sie geprägt haben. Irgendwann wird diese Katze von tierlieben Menschen entdeckt, aufgesammelt, ins Tierheim oder zu einer Tierschutzorganisation gebracht oder bei Katzenfreunden untergebracht.

Eine ängstliche Katze zieht sich zurück

Eine scheue Katze, die nicht an Menschen, deren Gerüche und Geräusche gewöhnt ist, wird sich sofort zurückziehen. Sie sucht nach einem geeigneten Versteck, wo ihr erst einmal niemand zu nahe kommen kann. Meist sucht sie sich ein Versteck unter dem Sofa oder hinter einem Regal.

Mein Tipp: Schafft der Katze Rückzugsorte und lasst sie in ihrem Versteck hausen, so lange sie möchte. Bedrängt die Katze nicht, scheucht sie nicht hervor oder schreit sie an. Hier fühlt sie sich gerade am sichersten und muss sich erst einmal akklimatisieren und sich an die neue Umgebung und die Geräusche gewöhnen.

Meine Erfahrung: Mein italienisches Straßenkätzchen Mammina hat ganze drei Monate hinter dem Sofa gelebt. Man hat ihre Angst tatsächlich riechen können. Ich habe sie gelassen und einfach so lange gewartet, bis sie von alleine hervor kam. Das erfordert wirklich wahnsinnig viel Geduld, ist aber absolut wichtig. Ich habe Mammina erst nach einigen Tagen das erste Mal richtig gesehen –das war ein toller Moment.

Eine ängstliche Katze macht oft nicht ins Katzenklo

Es kommt oft vor, dass sich ängstliche Katzen nicht trauen auf das Katzenklo zu gehen. Ganz einfach aus dem Grund, weil sie sich nicht aus ihrem Versteck heraus trauen oder sogar kein Katzenklo kennen. Also suchen sie sich etwas, dass sie in der Wohnung als Katzenklo verwenden können – oft sind das kuschelige Decken oder das Sofa.

Mein Tipp: Schimpft nicht mit der Katze, wenn sie nicht auf Anhieb in das Katzenklo macht. Stellt am besten zwei auf, so hat sie die Wahl und kann sich für das ihr angenehmere stille Örtchen entscheiden. Oft hilft es auch, die Katzenklos dort hinzustellen, wo sie sich zuvor erleichtert hat. Wenn es das Sofa war, dann stellt die Katzentoilette doch einfach mal auf die Couch. Oft reicht schon eine Nacht, bis die Katze verstanden hat, dass sie sich auf der körnigen Katzenstreu erleichtern sollte.

Meine Erfahrung: Mammina hat sich anfangs nicht getraut auf Katzentoilette zu gehen, wenn jemand mit im Raum war. Sie hat jedoch mit leisem Maunzen vorher angekündigt, dass sie einmal muss. Seid so lieb und gönnt der Katze etwas Privatsphäre und verlasst den Raum. Nach etwa zwei Wochen war das Katzenklo völlig akzeptiert. Bis dahin Putzlappen rausholen und Nase zu.

Eine ängstliche Katze weiß nicht was Spielen ist

Eine scheue Katze hat wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben einen Kratzbaum, einen Softball oder eine Spielangel gesehen. Sie weiß einfach nicht was spielen ist und wird anfangs wohl etwas verwirrt drein schauen. Oberste Priorität hat hier wieder die Katze: will sie nicht spielen, dann drängt sie nicht.

Mein Tipp: Ein Kratzbaum, ein Bällchen und vielleicht etwas Schnur reichen für den Anfang. Lasst die Schnur in der Nähe ihres Verstecks ein bisschen hin und her gleiten, so dass sie die Katze sieht. Mit etwas Glück wird so der Jagdtrieb der Katze geweckt, der oft größer ist, als die Angst. So gewöhnt sich die Katze an das Spielen.

Meine Erfahrung: Anfangs werden die ängstlichen Katzen nur nachts aus ihrem Versteck kriechen, wenn sie niemanden mehr hören. Lasst ein paar Spielsachen auf dem Boden liegen, am nächsten Tag könnt ihr dann sehen, ob das Samtpfötchen vielleicht doch an dem Ball interessiert war. Ich konnte so erkennen, dass sich Mammina nachts viel im Raum aufgehalten hat und auch gespielt hat. Außerdem stärkt eine positive Spielerfahrung mit dem Menschen das Vertrauen der Katze zu ihrem Halter und somit das Selbstvertrauen.

Eine ängstliche Katze frisst nur alleine

Es kann gut sein, dass eine scheue Katze anfangs nur alleine im Dunkeln isst. Stellt ihr immer etwas frisches Wasser und zu regelmäßigen Zeiten Futter hin. Die Katze wird es zu sich nehmen, wenn sie sich am sichersten fühlt.

Mein Tipp: Versorgt die Katze morgens und abends mit Futter und verlasst danach den Raum – so traut sie sich vielleicht an ihr Essen. Außerdem könnt ihr sie, wenn sie irgendwann mit euch spielt, mit ein paar Leckerlis versorgen. So merkt sie, dass sie keine Angst vor euch haben muss und verbindet auch das Spielen gleich mit etwas Positiven.

Meine Erfahrung: Mammina hat die ersten Wochen nur nachts gegessen, also macht euch nicht verrückt, wenn sie tagsüber kaum frisst, das holt die Katze alles nachts nach. Hat sie genug positive Erfahrungen bei euch gesammelt, wird sie sich irgendwann auch tagsüber an ihr Futter trauen.

Umgang mit einer ängstlichen Katze Tipps

Die wichtigsten Dos und Don’ts im Umgang mit einer ängstlichen Katzen

Do

  • Sprecht ruhig mit der Katze und gewöhnt sie an eure Stimme
  • Blickt euch die Katze an, zwinkert ihr einmal zu. Katzen die sich mögen zwinkern sich zu wenn alles in Ordnung ist
  • Versucht den Jagdinstinkt der Katze beim Spielen zu wecken
  • Freigang zur richtigen Zeit trägt oft dazu bei, dass sich die Katze nicht von euch eingesperrt fühlt
    Katzenerfahrung ist im Umgang mit einer ängstlichen Katze klar im Vorteil. Ihr könnt jedoch auch zusammen wachsen

Don’t

  • Die Katze darf niemals zu etwas gedrängt werden. Sie selbst bestimmt ihr Tempo und wird es euch irgendwann einmal danken
  • Niemals vor der Katze laut werden: Schreie oder lautes Türknallen verschrecken die Katze noch mehr und können jeden Fortschritt wieder zunichtemachen
  • Richtet niemals das Näschen der Katze in ihr Geschäft, wenn sie daneben macht: Die Katze versteht nicht was du ihr damit sagen willst und wird noch unsicherer
  • Auch wenn es schade ist, aber kleine, wilde Kinder sind ängstlichen Katzen nicht geheuer. Deshalb solltet ihr eine scheue Katze nur aufnehmen, wenn ihr ihr ein ruhiges Zuhause bieten könnt

Aus eigener Erfahrung kann ich euch nur sagen, dass Geduld der Schlüssel zum Herzen eurer ängstlichen Katze ist. Meine Mammina hat drei Monate unter dem Sofa gelebt, nach einem kleinen Fortschritt folgte oft ein Rückschritt. Lasst euch nicht entmutigen, glaubt an eure Katze. Heute ist Mammina immer noch ängstlich, wenn uns fremde Menschen besuchen, aber ansonsten hat sie sich zu einer liebevollen und verschmusten Schoßkatze entwickelt, die mir gegenüber unheimlich anhänglich ist, ihre Streicheleinheiten einfordert und auf meinem Bauch schläft. Anfangs hätte ich nie gedacht, dass das je möglich wäre, aber wir haben es geschafft und das fühlt sich einfach nur toll an!

Natürlich gibt es im Umgang mit ängstlichen Katzen kein Patentrezept, manche werden uns vielleicht nie an sich heran lassen, aber mit diesen Tipps ist es immerhin möglich und auf jeden Fall einen (ausdauernden) Versuch wert.

Über Annika

Annika lebt mit ihren drei Katzen in München. Sie hat eine Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin für Katzen gemacht und berichtet auf ihrem Blog Stilliebe vom Zusammenleben mit ihren Samtpfötchen und vielen anderen schönen Dingen des Lebens.

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1 Kommentar

  • Nadine sagt:

    Diesen Artikel zu lesen macht mir Hoffnung. Wir haben vor ca. drei Monaten zwei Katzen aus der Auffangstation geholt. Toni war drei Jahre da und galt als „Ladenhüter“ eben weil er so scheu ist. Hier versteckt er sich auch die meiste Zeit unter dem Bett. In den letzten Tagen kommt er öfter mal raus und bis auf einen Meter darf ich mich ihm nähern. Gespielt haben wir auch schon. Ich hoffe sehr, dass er sich hier irgendwann zu Hause fühlen wird. Man weiß ja auch nie, was so Tiere durch Menschenhand erfahren haben. Vielen Dank für das Teilen Ihrer Erfahrung

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