Erziehungsfehler bei Katzen | tierisch wohnen

Erziehungsfehler: So beeinflussen wir Menschen das Verhalten der Katzen

Erziehungsfehler bei Katzen

Vielen Katzenhaltern ist es überhaupt nicht bewusst, wie sie durch ihr eigenes Verhalten ebenso das Verhalten ihrer Samtpfötchen beeinflussen. Ich erlebe nicht selten verblüffte Gesichter bei Gesprächen mit Katzenhaltern. Verblüfft, weil die Halter überrascht sind, dass sie ihre Katze ganz aus Versehen in ungewünschtem Verhalten bestärkt haben.

Katzen zu erziehen, so ist der Irrglaube, sei mehr als simpel. So simpel, dass es kaum etwas darüber zu wissen gibt. Da dem nicht so ist, möchte ich dir heute die meist gemachten Erziehungsfehler durch uns Menschen vorstellen und dir Tipps geben, um es besser zu machen.

Fehler beim Erziehen der Katze

1. Inkonsequenz

Deine Katze darf nicht auf den Esszimmertisch springen? Durch positive Verstärkung kannst du ihr beibringen, dass der Esstisch für sie tabu ist. Wie das geht, kannst du hier nachlesen. Doch eines ist dabei mehr als wichtig: Konsequenz. Ist der Tisch für deine Katze einmal eine Tabuzone, so sollte sie es immer sein. Euer mühsames Training ist dahin, wenn du deiner Katze einmal zwischendrin erlaubst auf den Tisch zu krabbeln. Gibst du ihr dann auch noch eine kleine Streicheleinheit auf dem Tisch, so wird deine Katze alles versuchen, um schnellst möglich wieder auf den Tisch zu kommen. Schließlich warst du das letzte Mal so unheimlich lieb zu ihr, als sie dort oben stand. Schickst du Miezi dann aber wieder vom Tisch, so ist sie völlig verwirrt. Bleib also konsequent in deinen Handlungen. So machst du es deinem Liebling auch nicht unnötig schwer, dich zu verstehen.

2. Bestrafung

Ist deiner Katze einmal ein Missgeschick passiert, so ist Bestrafung der falsche Weg um deiner Katze zu zeigen, dass ihr Verhalten nicht korrekt war. Schlagen, Wegsperren und Aggressivität gegenüber der Katze sind absolut tabu. Mit diesem Verhalten verunsicherst du deine Katze so sehr, dass du euer aufgebautes Vertrauen damit zunichte machst. Deine Katze entwickelt dir gegenüber Ängste und Scheu und verursacht durch den erhöhten Stress womöglich noch mehr Missgeschicke.

Katzen zeigen dir mit ihrem Verhalten wie es ihnen geht. Kotet sie zum Beispiel einmal neben die Toilette, so stimmt vielleicht mit der Katzentoilette etwas nicht oder deine Katze hat Schmerzen. Sie handelt mit katzentypischem Verhalten. Sie dafür zu bestrafen ist ein Unding. Viel mehr solltest du dich auf Ursachenforschung begeben.

Übrigens: Kratzen, Miauen , Klettern und Co. gehören zur Katze wie das Atmen. Es sind Instinkte, für die eine Katze niemals bestraft werden sollte. Soll deine Katze nicht am Vorhang kratzen, so mache ihr die Stelle uninteressant und ermögliche ihr andere Stellen, an denen sie ihre Krallen wetzen kann.

3. Lautes Schimpfen

Huch, da hat deine Katze aber ausgelassen gespielt. Und schwups, deine Lieblingsvase ist dabei zu Bruch gegangen. Du bist darüber so wütend, dass du deine Katze laut anschreist. Wie konnte sie nur deine Lieblingsvase zerstören?

Natürlich weiß deine Katze nicht, was sie da vor lauter Übermut gerade kaputt gemacht hat. Für sie klingt das so: Sie hat so ausgelassen gespielt wie schon lange nicht mehr. Heute flog der Flummi aber auch ganz besonders aufregend durch die Wohnung. Vorbei am Fernseher, direkt aufs Sofa und dann auch noch auf den Beistelltisch. „Schnell, nichts wie ran, auf dem Beistelltisch bekomme ich ihn. Juhu macht das einen Spaß! Und plötzlich kommt mein Frauchen und schreit mich ganz laut an. Ich habe Angst, aua ist das laut, ich verziehe mich ganz schnell und traue mich mein Frauchen den ganzen Tag nicht mehr anzusehen.“

Lautes Schimpfen verunsichert Katzen extrem und verursacht Stress. Außerdem ist die Lautstärke für die Katzen extrem unangenehm. Ähnlich wie bei der Bestrafung führt lautes Schimpfen und Schreien meist zu einem Bruch zwischen Halter und Katze. Die Katze bekommt Angst, fürchtet sich vor ihrem Halter und zieht sich zurück. Solch ein zerrüttetes Verhältnis kann meist schwer wieder gekippt werden.

Missgeschicke passieren nun mal, wenn man einen Katzenhaushalt führt. Und Katzen sind nun mal Katzen. Wie du solche Missgeschicke vermeiden kannst? Stelle deine Vase dort hin, wo Kitty sie nicht zerstören kann. Und sollte doch mal was passieren, dann denk dran, Katzen laut auszuschimpfen ist tabu.

4. Der falsche Zeitpunkt

Kennst du Situationen wie diese? Du kommst von der Arbeit nach Hause und entdeckst im Flur deine umgekippte Pflanze. Viele Blätter sind abgebrochen und die Erde ist bereits in der ganzen Wohnung verteilt. Du bist so wütend, dass du deine Katze enttäuscht ausschimpfst. Für dich total logisch, schließlich hat deine Katze deine Pflanze zerstört und mit ihr noch die halbe Wohnung schmutzig gemacht. Deine Katze hat die umgekippte Pflanze allerdings schon längst vergessen, schließlich ist das schon vor drei Stunden passiert. Für Miezi kommst du zur Wohnung herein und schimpfst sie aus. Sie verbindet dein Verhalten jedoch nicht mit der Pflanze, sondern mit deinem Nachhausekommen. Was eigentlich ein schöner Moment zwischen euch sein sollte, bleibt der Katze von nun an als unangenehme Situation im Gedächtnis.

Möchtest du deine Katze also auf Fehlverhalten hinweisen, so sollte deine Rüge (Kein lautes Schimpfen!) zeitgleich mit dem Fehlverhalten erfolgen. Nur so kann die Katze auch daraus lernen.

Übrigens: Katzen lernen nicht durch Bestrafung oder Tadel, Katzen lernen aus Lob und Zuneigung. Deshalb ist es viel wichtiger, positives Verhalten zu loben anstatt negatives Verhalten zu bestrafen. Wer sich als Katzenhalter mit katzentypischem Verhalten auseinandersetzt, der wird mit einer zufriedenen Katze zusammen leben, die ihrem Halter vertraut und gerne Zuneigung schenkt.

Über Annika

Annika lebt mit ihren drei Katzen in München. Sie hat eine Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin für Katzen gemacht und berichtet auf ihrem Blog Stilliebe vom Zusammenleben mit ihren Samtpfötchen und vielen anderen schönen Dingen des Lebens.

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4 Kommentare

  • Angela Drescher sagt:

    Oh man , gestern Nacht haben meine3 die Katzengraßtöpfchen ausgegraben u, in der ganzen Küche verteilt und sich natürlich hineingelegt u, ich Idiot hab laut geschumpfen und heute Vertrauen mir meine süßen nicht mehr ! Wie kann ich das Vertrauen wieder erlangen ? Tut mir echt weh , daß sie sich jetzt verhalten als müßten sie Angst vor mir zu haben .

    • tierisch wohnen Team sagt:

      Hallo Angela,
      sicher sind deine drei Katzen ein wenig verschreckt, aber wenn du ihnen zukünftig keinen Grund lieferst, Angst vor dir zu haben, dann werden die Fellnasen deinen Ausrutscher auch sicher bald wieder verzeihen.

      Viele Grüße
      Dein Tierisch Wohnen Team

  • Susanne sagt:

    Hallo wir haben eine 2 Jahre alte Katze aus einem sehr sehr lauten 3 Kinderhaushalt übernommen. Die Katze pieselte schon dort unregelmässig immer mal in eines der Betten.

    Zuerst hatten wir das Gefühl das sie sich sehr wohl bei uns fühlt. Nachveiner Woche hat sie dann das erste Mal reingepieselt. Wir haben keine grosse Sacge daraus gemacht und alles war top jetzt 2 Wochen später hat sie nochmals reingepieselt, wir sind da etwas ratlos sie kann raus wann sie will, sie nutzt sonst das Katzenklo(wird jeden Tag ausgetauscht) und sie kann raus wann sie will. Da wir kein Schema, und damit krinen Grund entdecken hier mein Hilferuf, was tun?
    Ursprünglich sind alle davon ausgegangen das die sich im vorderen Haushalt mit 5 Leuten alle lebhaft und laut, nicht wohlgefühlt hat, das war auch der Grund fürs weggeben. Danke schonm mal,im Vorraus.

  • Stahnke Andrea sagt:

    Hallo,
    ich habe eine 12-köpfige Katzenfamilie zuhause, und das Sozialverhalten zu beobachten, ist einfach nur genial. Es bildet sich bei diesen Katzen, einer Kreuzung aus Bauernhof- und Straßenkatze, ein Rudel mit festen Hierarchien. Die Tiere sind unglaublich sozial, und helfen sich in jeder Situation. Ich selbst bin Sozialpartner, werde geputzt und behandelt wie eine Katze. Also verhalte ich mich auch so. Wenn ein Tier etwas macht, was es nicht soll, stippe ich mit dem Finger zwischen die Ohren. Das ist Katzensprache und heißt „Laß das!“. So sollte man seine Katze aber nur maßregeln, wenn bedingungsloses Vertrauen herrscht, und man das Timing hinbekommt. Außerdem muß man seine Katze gut genug kennen, um das Antippen richtig zu dosieren. Bei sehr sensiblen Katzen reicht es, den Finger auf den Kopf zu legen.

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